Zahlen Sie!
Dienstag, 17. März 2009 geschrieben von SyberiaIch: Guten Tag. Sie haben mir eine Mahnung für etwas geschickt, dass ich nicht bekommen habe.
CCA: Um welchen Artikel handelt es sich?
Ich: Keine Ahnung. Ich habe es weder bestellt noch erhalten.
CCA: Wenn Sie mir nicht sagen, worum es sich handelt, kann ich Ihnen nicht helfen.
Ich: Wie soll ich das bewerkstelligen, wenn ich nichts bestellt und nicht erhalten habe? Hier auf der Mahnung steht nur ein Betrag. 12 Euro 95.
CCA: Der Preis hilft mir nicht weiter. Um welchen Artikel handelt es sich?
Ich: Ich weiß es nicht – und wenn Sie mich noch fünf Mal danach fragen.
CCA: Aber wenn Sie mir nicht sagen, worum es sich handelt, kann ich Ihnen nicht helfen.
Ich: Hören Sie. Es ist nicht so, dass ich nicht willens wäre, Ihnen den Artikel zu nennen. Es ist vielmehr so, dass ich nicht in der Lage-…
CCA: Wenn Sie mir nicht sagen, worum es sich handelt, kann ich Ihnen nicht helfen. Also um welchen Artikel handelt es sich?
Ich: Vielleicht werfen Sie mal einen Blick auf mein Kundenkonto. Meine Kundennummer lautet 1234567.
CCA: Ich benötige erst die Artikelnummer oder die Artikelbezeichnung für die Eingabemaske, sonst kann ich Ihnen nicht weiter helfen.
Ich: Geben Sie mir bitte Ihren Teamleiter.
CCA: Der kann Ihnen ohne die Artikelnummer auch nicht weiterhelfen.
Nachdem ich die Dame doch noch überreden konnte, versprach sie mir einen Rückruf. Ich lief rasch aus dem Haus in das nahe gelegene Wäldchen, klaubte dort ein Stück Holz vom Boden, biss kräftig drauf, begab mich sodann zurück zu meiner Heimstatt, um bei meinem Eintreffen sofort das Klingeln des Telefons zu vernehmen.
Teamleiter: Guten Tag…
Ich: Guten Tag. Hat Ihre Kollegin Ihnen berichtet, worum es geht?
Teamleiter: Ja.
Ich: Aaaah… Dann wissen Sie ja, dass-…
Teamleiter: Wir haben den Artikel gefunden, den Irrtum aufgeklärt und werden die Bestellung nun stornieren-…
Ich: Es gibt doch noch einen Gott. Danke, danke. danke.
Teamleiter: -… und um das zu tun, benötige ich nur noch das Passwort von Ihnen.
Ich: Was für ein Passwort?
Teamleiter: Das Passwort, das Sie für telefonische Bestellvorgänge hinterlegt haben.
Ich: Falls ich jemals eins vereinbart habe, dann ist das Jahre her und ich habe es nie genutzt.
Teamleiter: Wenn Sie mir nicht sagen, wie das Passwort lautet, kann ich den Vorgang nicht abschließen.
Ich: Ich weiß es nicht.
Teamleiter: Aber wenn Sie mir das Passwort nicht nennen, kann ich den Vorgang nicht abschließen.
Ich: Aber ich weiß es nicht!
Teamleiter: Aber wenn Sie mir das Passwort nicht nennen, kann ich den Vorgang nicht abschließen.
Ich: Ich kenne das Passwort nicht! Selbst unter Folter wäre es Ihnen daher nicht möglich, es mir zu entlocken!
Teamleiter: Aber ohne Passwort kann ich den Vorgang nicht abschließen!
Ich: Ich! Kenne! Das! Passwort! Nicht!
Teamleiter: Ja aber ohne Passwort kann ich den Vorgang nicht abschließen!
Nun ja.
Inzwischen sind etliche Jahre ist ein wenig Zeit ins Land gegangen und es ist mir wieder möglich über diesen Vorfall Bericht zu erstatten, ohne den dringenden Wunsch zu verspüren, das Call-Center dieses Versandhauses aufzusuchen und dort eine 1000-Kilo-Bombe zu zünden / sämtlichen Mitarbeitern langsam und qualvoll die Luft abzudrehen / den Leiter desselben zu zwingen, sich ein Video der Kandesbunzlerin anzuschauen, wie sie nackt und nur mit Bommeln an den Nippeln einen Holzschuhtanz aufführt irgendetwas Irrationales zu tun.
Heute, dank meines verständnisvollen Therapeuten, weiß ich, dass Call-Center-Agents nur bemitleidenswerte Gefangene der Endlosschleife ihres eigenen Gedankenkreises sind, in den hineingezogen zu werden wir uns hüten sollten. Wenn Sie also jemals in eine solche Lage geraten, dann zahlen Sie einfach die verdammten 12 Euro 95! Es ist ein wahrhaftig geringer Preis für Ihren Seelenfrieden!
Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, denn heute lag wieder ein Katalog von denen im Briefkasten, den muss ich nun rituell verbrennen, um die Asche hernach zu pulverisieren und vom Mount Everest aus in alle Himmelsrichtungen zu verstreuen.

März 17th, 2009 at 10:37
Danke für diesen herzhaften Lacher
Toll geschrieben!
März 17th, 2009 at 10:45
Argh! Nein, bloß nicht nachgeben!
März 17th, 2009 at 13:11
Also das Video…
März 17th, 2009 at 13:36
Wirklich genial!!
Aber haben Sie am Ende das Geld etwa bezahlt??
März 17th, 2009 at 15:33
Ich kann nicht mehr!!
Das Video!!
Alleine die Vorstellung …!
Wie soll ich jetzt bitte weiterarbeiten?
(Ich schreibe jetzt 100x: Ich soll während der Arbeit keine Blogeinträge von Frau Syberia lesen. Ich soll während der Arbeit …)
März 17th, 2009 at 16:47
Klasse!!
Sowas ist mir auch schon passiert… Man verzweifelt einfach.
Ich bestelle seitdem nicht mehr telefonisch – so einfach ist das…
März 17th, 2009 at 17:37
Ahhh…musste so laut lachen, dass Herr XY aus dem Nebenzimmer in Sorge geriet. Der Eintrag weckt zarte Erinnerungen an Telefonschreikrämpfe mit der englischen Zweigstelle eines Buchversandes, der den Artikel erst gar nicht eingepackt und mich dann für die Ersatzlieferung belangen wollte…
Streuen Sie bitte ein bisschen Asche für mich mit.
März 17th, 2009 at 22:45
oh Sie Ärmste.
War wieder paar Tage ohne Internet und ‘Telefon. Das ist ähnlich. Zuerst spricht man mit Spracherkennungsrobotern (das ist lustig, ich probier das dann gerne mit hessisch) und dann braucht man, um eine störung zu melden außer der telefonnummer auch die kundennummer. ich bekomme aber keine rechnungen mehr und keinen zugang zur online-abfrage, (obwohl ich das nicht wwollte) also wie an die nummer kommen? es ist unglaublich, mit wie vielen leuten man da reden kann ohne weiterzukommen. außerdem ist man heutzutage offenbar verpflichtet, ein mobiltelefon zu haben, damit die leute vom amt anrufen können…..grrrr. was soll ich jetzt verbrennen?
März 18th, 2009 at 13:07
Und was, liebes Fräulein Syberia,
könnte die Mutanten am anderen Ende der Hotline stattdessen alles Nützliche tun: Blumen gießen, Oma mitsamt Rollstuhl ans Fenster schieben, damt sie den Frühling sieht, Katzen füttern, Fahrradreifen aufpumpen, Schuhe putzen, beim Wischen auch mal in die Ecken rein, Kuchen backen, Gartenzaun streichen …
Herzlich
Ihr Erdge Schoss
März 18th, 2009 at 14:04
Argh, das erinnert mich daran, das ich mit diesem einen Versand da noch was klären muss! Hoffentlich sind die etwas… vernunftbegabter.
März 18th, 2009 at 18:08
Jawohl, ich habe die 12 Euro 95 bezahlt. Zwar kann ich jetzt erst ein Jahr später in Rente gehen, als geplant, aber dafür in geistig gesunder Verfassung.
@Frau mariong + Frau Zimtapfel: Ich habe Ihnen da schon mal die Adresse vom psychologischen Notfalldienst rausgesucht…
@Herr Schoss: Sehr schöne der Jahreszeit angepasste Vorschläge. Auf das Auswischen komme ich vielleicht noch zurück…
März 18th, 2009 at 21:57
dalnke, das hätte ich wirklich gut gebrauchen können,beim nächsten mal komme ich gerne auf sie zurück.
Ausflugtipp: was mögen Sie am liebsten? natur? kultur? shopping? sehen und gesehen weden? action? uns mal auf 1 kaffee besuchen?
Kennen Sie Darmstadt?
März 18th, 2009 at 23:27
Jetzt wird es kompliziert: ich suche was, das ich mir mit meiner Mutter anschauen kann (damit sie mich nicht noch einmal ins Hoechster Porzellanmuseum schleppt). Kultur mit Natur drum herum ist da ideal (der Mann kann sich dann solange mit einem Buch untern einen Baum oder in ein Café setzen). Wir haben für demnächst Aschaffenburg ins Auge gefasst, die Hanauer Bloglesung, sowie eine Fahrt auf dem Main, wobei wir immer eine Schlechtwetter-Alternative bereit halten müssen. Rüdesheim habe ich nach besichtigung verworfen, das ist ja die reinste Touristenfalle. Auf den Kaffee komme ich im Sommer gern zurück, aber ohne Muttern, denn glauben Sie mir, das möchten Sie nicht
(Wenn ich so drüber nachdenke: wahrscheinlich haben unsere Eltern Ausflüge für uns Kinder damals ganz ähnlich geplant…)
März 19th, 2009 at 20:32
Seligenstadt, obwohl, vielleicht zu früh, da im kloster(-garten) ist es nett und die primus-linie(frankfurter schiffe, gugeln sie mal) z.b. fährt soweit ich weiß vorbei.
März 19th, 2009 at 20:33
ach ja, und: ich hab auch 1 mutter, wir schmeißen die zusammen und fliehen
März 19th, 2009 at 21:00
In Seligenstadt waren wir schon. Vier Mal. Jedes Mal sollte ein Schiff kommen. Kam aber keins. Die Fluchtidee ist nicht ohne Reiz…
März 19th, 2009 at 21:42
ist ja naheliegend.
darmstadt ist zuweit.
wiesbaden?
März 19th, 2009 at 21:43
heidelberg
(ich geb auf)
März 22nd, 2009 at 09:40
Eine Frage: Hilft aufs Holz beißen wirklich? Ich habe das auch schon mal gemacht, aber da war ich gerade nicht verzweifelt.
März 23rd, 2009 at 12:02
@Frau mariong: Darmstadt und Wiesbaden hatten wir schon. Heidelberg ist ein bisschen weit weg, oder?
@juf: Es hilft auf jeden Fall dem Zahnarzt.
März 23rd, 2009 at 16:16
Wie wäre es mit den Opelvillen in Rüsselsheim? Wechselnde Kunstausstellungen zu ganz unterschiedlichen Themen (Infos unter opelvillen.de). Von dort ist man in 1 Minute in den Main-Auen – zum Spazierengehen oder Lesen für Herrn A. oder 15 Minuten zum Opel-Auto-Museum für den technisch interessierten Herrn.
März 24th, 2009 at 22:55
Naja. Das Opel-Museum ist nett und Mimmo mag ich persönlich nicht, ist aber sehr elegant. (achkomm, gehweg, Rüsselsheim)
März 25th, 2009 at 10:32
Frau Monakatz, das ist ein guter Tip, danke. (Wollen wir mal hoffen, dass bis dahin nicht ganz Opel zum Museum geworden ist…)
Frau mariong, sooo häßlich ist Rüsselsheim auch nicht. Obwohl… naja.
März 25th, 2009 at 21:30
ja,ja, ich ging dort zur schule und arbeitete sogar paar jahre für die stadt, mir reicht es