Sagen Sie doch mal…
Mittwoch, 13. August 2008 geschrieben von SyberiaBitte stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie arbeiten in einem mittelgroßen Unternehmen, man duzt sich (auch den Chef), die Arbeit ist ok und gut bezahlt, die Kollegen nett – bis auf die Tochter des Chefs. Diese ist zu blöd, um einen Eimer Wasser umzutreten, aber ihr Vater hält sie für toll und wundervoll, so dass alle anderen sich angewöhnt haben, ihre Fehler stillschweigend auszubügeln.
Nach einem Geschäftsessen sitzen Sie eines Abends plötzlich allein mit dem Chef am Tisch, da beugt dieser sich zu ihnen herüber und fragt Sie, wie Sie seine Tochter denn so fänden, denn Ihre ehrliche Meinung wäre ihm sehr wichtig und Sie möchten diese doch bitte ohne Scheu äußern.
Was antworten Sie?

August 13th, 2008 at 18:19
“Sie hat Potential”
August 13th, 2008 at 18:49
“Sie bemüht sich, Verständnis für die an sie herangetragenen Aufgaben zu zeigen.”
August 13th, 2008 at 19:21
“Äääääääääääääähhhhh…”
August 13th, 2008 at 19:56
Nur dumm wenn der Chef anfängt die Firmenübergabe vorzubereiten. Talent in den höchsten Tönen loben auf Gebieten, die für die Lenkung einer Firma sekundär sind? Was mir mehr sorgen macht hier, ist, daß niemand seine Kinder in die Firma holt. Kann Zufall sein, muß nicht.
August 13th, 2008 at 20:15
“Ich bin sicher, sie besitzt ganz besondere Qualitäten, die uns leider bis jetzt verborgen geblieben sind.”
Auf jeden Fall diplomatisch bleiben. Allerdings sollte man sich die Frage stellen, warum er diese Frage stellt. Er hätte gern eine objektive Meinung von jemandem, dem er vertraut, weil man als Vater nicht unbedingt in jedem Fall objektiv sein kann.
Ich halte Schwanz einziehen und die Niete in den höchsten Tönen loben in diesem Fall für grundlegend falsch.
August 13th, 2008 at 20:34
“Solange ich noch keinen neuen Job habe, müssen sie sich damit begnügen, dass ich ihre Tochter klasse finde, Chef!”
August 13th, 2008 at 20:40
“Ich bin schon verheiratet!”
August 13th, 2008 at 20:42
Immerhin zwei Leute behalten ihren Job
August 13th, 2008 at 20:47
Sagen: Ich habe zuwenig Einblick in ihr Arbeitsumfeld als das ich sie beurteilen könnte …
Denken: Ooh ohhhh!
Fiese Frage, liebe Syberia, fies!
August 13th, 2008 at 21:00
»Ohne Scheu? Ganz ehrlich? — Weisst du, die Arbeit in Deinem Laden ist ok und im Großen und Ganzen recht gut bezahlt, die Kollegen sind nett. Aber hast Du noch nicht bemerkt, dass sich einige der Kollegen angewöhnt haben, die Fehler Deiner Tochter stillschweigend auszubügeln? Das geht auf Dauer ein wenig aufs Arbeitsklima, aber das weisst Du sicher selber.
Ich befürchte, dass sich einfach niemand traut, Dir das zu sagen; ist ja wohl auch verständlich. Weil Du Dich aber nach meiner Meinung erkundigst, darf ich wohl davon ausgehen, dass Du bereits so ein Bauchgefühl hast, es könnte nicht alles im Lot sein. Dieses Gefühl muss ich Dir jetzt einfach mal bestätigen, auf die Gefahr hin, Dich womöglich vor den Kopf zu stoßen.
Nimm mir das offene Wort bitte nicht übel, denn wenn Du mich schon fragst, dann hast Du Dir meine ehrliche Antwort auch verdient. Du solltest wissen, dass mir wegen der guten Arbeitsbedingungen einfach viel an der Zukunft Deines Unternehmens und auch meiner Rolle darin gelegen ist.«
August 13th, 2008 at 21:03
“Ich möchte mit Ihnen schlafen, Chef!”
Und dann hoffen Sie, dass er die Ausgangsfrage darüber vergisst.
August 13th, 2008 at 21:13
Ich stimme craezy zu. Und dann zusehen, das ich wegkomme.
August 13th, 2008 at 21:42
@Ulf: korrekt.
August 13th, 2008 at 23:51
“Ganz der Papa” und dabei lieb lächeln.
August 14th, 2008 at 00:35
ich tendier ja in solchen fällen zur jiddischen methode: frage immer mit gegenfrage beantworten. – warum? – warum soll man eine frage nicht mit einer gegenfrage beantworten? – in wiefern? – kann man mir das bitte noch detailliert erklären? – wieso? – ich hab da ein paar finessen nicht genau nachvollziehen können, nämlich …
tbc
August 14th, 2008 at 06:51
Diese Situation kommt mir sehr bekannt vor: Mein Exchef hat seine Tochter direkt nach dem Abi ins Unternehmen gebracht, ohne dass diese vorher ein Studium oder eine Ausbildung absolviert hatte. Und das auch gleich in eine verantwortungsvolle Position. Wir haben alle geschwiegen, obwohl sie ebenfalls nichts geleistet hat. Bei uns war es damals schließlich so, dass er selbst gemerkt hat, dass sie nichts bringt, aber bei uns haben die Leute ihre Fehler auch ab einem bestimmten Punkt nicht mehr ausgebügelt. Und ein oder zwei Abteilungsleiter, deren Meinung er schätzte, haben ihm wohl durch die Blume gesagt, dass ihr Einsatz wenig hilfreich ist.
Darüber hinaus finde ich die obigen Vorschläge ebenfalls sehr hilfreich: Auf die üblichen Zeugnisformulierungen zurückgreifen, um deutlich zu machen, dass sie nicht genügend Leistung bringt.
August 14th, 2008 at 09:15
Erstaunlich wieviele Leute den Fehler machen und sich verquatschen würden. Seid ihr alle jeck? Aus so einer Nummer kommt man nur mit einer Lüge raus. Der Chef findet seine Tochter toll, also kritisiert man den Chef und seine Urteilskraft gleich mit, wenn man ihm sagt, dass es nicht so ist. Der will die Wahrheit gar nicht hören, sondern nur einem Mitarbeiter auf den Zahn fühlen.
August 14th, 2008 at 10:06
@ochideefee. Kompliziert. Kenne verschiedene Typen Chefs, der eine, der glaubt, eine möglichst objektive Beurteilung hören zu wollen, ohne das Gesicht zu verlieren, und der andere, der tatsächlich die Loyalität des Mitarbeiters testen würde und will.
August 14th, 2008 at 10:27
heute, nach über 20 Jahren Berufsleben würde ich mich herauswinden.
Ehrlichkeit und Offenheit kommt negativ zurück.
August 14th, 2008 at 13:34
Meine Scheffs (wer auch immer das sein mag) sind offene Worte von mir gewöhnt. Wenn man erstmal anfängt, die Unwahrheit zu sagen, kommt man aus dem Spiel nicht wieder raus.
August 14th, 2008 at 13:43
Wenn der Chef seine Tochter toll findet, sie es jedoch nicht ist, dann hat er ein Problem mit seinem Urteilsvermögen und das ist – besonders in seiner Position – eine Schwäche. Wenn Sie ihm diese aufzeigen, indem Sie Ihre ehrliche Meinung über seine Tochter mitteilen, wird sich das irgendwann böse rächen. Und wenn er noch so kumpelhaft tut – am Ende wird sein angekratztes Ego zur Attacke blasen. Ich würde mich unbedingt rauswinden. “Jetzt lass’ uns mal nicht über Kollegen reden, XXX. Etwaige Töchter, Söhne und Cousins eingeschlossen.”
August 14th, 2008 at 23:14
Alle waren miteinander per Du.
Nur ich mit mit allen per Sie.
Aus Prinzip.
“Was halten Sie von meinem Sohn?”
(Damals 35, auf österreichisch ein Vollkoffer)
Ich umschrieb diese, meine, Meinung mit “andere Interessen, kann ja noch werden, aber eher nicht…”
Der Dank?
Ich war ab nächstem Tag für 20 Jahre Geschäftsführer, der Sohn ist noch immer ein Vollkoffer (ohne Vollmachten), sein Vater tot, mein Enkel mein Nachfolger.
Ehrlichkeit zahlt sich doch aus.
August 17th, 2008 at 23:26
schwarzmaler hat recht. daher vorher den chef testen: “warum fragen sie mich? a) schätzen sie meine meinung oder b) trauen sie in bezug auf ihre tochter ihrem urteil nicht?” wenn a), dann lügen. wenn b), dann wahrheit.
August 18th, 2008 at 10:36
Selbst wenn der Chef sagt, dass er die ehrliche und ungeschminkte Wahrheit hören möchte, muss man ihn und die ganze Situation persönlich kennen, um einschätzen zu können, ob er dann auch tatsächlich mit einer Aussage umgehen kann, die deutliche Kritik enthält. Das sind nämlich immer zwei Paar Schuhe – und von außen ist das schwer zu beurteilen.
Die Familienbande zwischen Chef und Tochter wird jedenfalls immer stärker sein als das Arbeitsverhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter. Er wird seine Tochter wohl auch immer “wundervoller” finden, als er Sie findet (nehmen Sie’s nicht persönlich
. Im Zweifelsfall ist daher ja klar, auf wessen Seite er eher stehen wird, auch gegen jede Rationalität.
Dennoch: wenn man sich dazu entscheidet, mit der Sprache rauszurücken, sollte man sich aus meiner Sicht zweier Dinge sicher sein:
a) Es gibt andere Kollegen, die bereit sind, diese Kritik ebenfalls aus ihrer Sicht in Gegenwart des Chefs zu äußern, sobald der Stein erst einmal rollt. Wenn die Kollegen unter sich eine große Klappe haben, einem dann aber im Ernstfall aus Feigheit in den Rücken fallen: “Ach nee, Chef, wir finden das ja alles gar nicht so schlimm”, steht man schnell alleine da.
b) Man hat ein paar Anekdoten parat und kann anhand ganz konkreter Geschehnisse “beweisen”, dass die Tochter manchmal Mist baut, nämlich genau hier und da und damals. Solche Fakten werden eher akzeptiert als wage Emotionen. Aussagen wie “Naja, sie versteht manchmal die Zusammenhänge nicht…” sind zu subjektiv und daher möglicherweise in einem solchen Fall als Argumente nicht stark genug.
Das Problem ist eben, dass man das alles innerhalb weniger Sekunden durchgehen und entscheiden muss – und da ist es wohl sicherer, sich mit ein wenig diplomatischem Geplänkel aus der Affäre zu ziehen.
August 20th, 2008 at 10:26
“Im Bett ist sie ja ganz nett, Chef. Aber im Büro?”
August 20th, 2008 at 10:32
Liegt sicher nur daran, dass der Teppich ihr die Knie aufschürft, die Schreibtische ergonomisch kippbar sind und sämtliche Schreibtischstühle mit Lehnen versehen sind.