Bäh!

Freitag, 23. Mai 2008 geschrieben von Syberia

Schon als Kind habe ich Rosenkohl gehasst. Widerliches Zeug. Wie das riecht. Und wie das aussieht. Vom Geschmack ganz zu schweigen. Ekelhaft. Herr A. hingegen liebt Rosenkohl (vermutlich ein genetischer Defekt), deshalb koche ich manchmal welchen für ihn.

Das Schöne am Erwachsensein und nicht mehr bei den Eltern wohnen ist ja unter anderem, essen zu dürfen, was man mag und nicht essen zu müssen, was man nicht mag. Das dachte ich. Bis heute. Denn heute Mittag zwang mich Herr A. dazu, Rosenkohl zu essen. Mit dem üblichen Geseier, wie gesund das sei. Da bin ich damals schon nicht drauf reingefallen. Dann hat er die Nummer mit dem Flugzeug gebracht und leider musste ich lachen.

Notice to myself: mit geschlossenem Mund lachen lernen. Thunfisch und Tomaten kaufen.

19 Antworten to “Bäh!”

  1. Andreas Says:

    Boah, wie gemein. Bisher fand ich Herrn A. von den Erzählungen her recht sympathisch, aber die Nummer mit dem stinkenden Gemüse ist ja unglaublich fies. Übrigens: Rosenkohl ist der Tiefpunkt, aber Blumenkohl ist fast genauso schlimm. Finde ich.

  2. Syberia Says:

    Vielen Dank für Ihre objektive und korrekte Einschätzung. Sie sind weise und kennen sich aus.

  3. mein arsch Says:

    Seufz … wie immer wird nur die halbe Wahrheit erzählt. Zum einen hat Frau I. einen Riesenpott Rosenkohl gekocht, den hätte ich alleine gar nicht essen können. Zum zweiten hat Frau I. von grob geschätzt fünfzig Stück Rosenkohl exakt VIER gegessen. Und drei davon waren winzigst, die hatte sie sich selbst rausgepickt (dass sie nicht mit der Lupe gesucht hat, war auch schon alles).

    Wenn es nach Frau I. ginge würde sie sich nur von Schokopudding und Käse ernähren (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Selbst eine leckere Banane (immerhin die Bonbons der Natur!) muss man ihr mit Gewalt aufdrängen. Bitte entschuldigen Sie, dass ich in meiner fürsorglichen Art und Weise dafür zu sorgen versuche, dass meine Gattin wenigstens ab und zu mal naturbelassene Vitamine zu sich nimmt.

    PS: Rosen- und Blumenkohl sind sehr lecker. Sie ham ja keine Ahnung, ham Sie alle nicht.

  4. Andreas Says:

    Sie haben sogar vier von den Dingern gegessen? Chapeau…

  5. Syberia Says:

    Er gibt es selbst zu. Vier Stück musste ich mir antun! Selbst mit der Zahnbürste konnte ich mir den widerlichen Geschmack nicht von den Papillen schrubben! Um das mal klarzustellen: es gibt Gemüse, dass lecker ist. Dazu gehören Karotten, Paprika, Erbsen, Spinat, Bohnen, Auberginen, Tomaten, Gurken, Zucchini, Pastinaken und viele andere, die mir gerade nicht einfallen. Und es gibt Gemüse, das ist einfach nur widerlich. Dazu gehören Kohlrabi, Sellerie, Fenchel, Lauch und so ziemlich alle Arten von Kohl. Und es ist mir WURSTEGAL wie viele Vitamine und Mineralstoffe da drin sind!

  6. Astrid Says:

    Rosenkohl schmeckt übrigens auch sehr gut mit in durchwachsenem Speck angeschmorten Zwiebelchen.

  7. Syberia Says:

    Sind Sie nicht dieselbe Astrid, die der Meinung war, Paprika passe nicht ins Omelett? Pfah.

  8. matz-o-man Says:

    Also ich mag Rosenkohl. Und Blumenkohl. Und Brokoli. Und so.

  9. Syberia Says:

    Sie lutschen auch Mottenkugeln, oder?

  10. formschub Says:

    Vielleicht hat das ja wirklich was mit den Genen zu tun – so wie viele finden, dass Koriandergrün nach Seife schmeckt (ich nicht, ich liebe es). Offenbar gibt es wohl auch noch andere Gemüsegene.

  11. Andreas Says:

    Ich glaube, das hat einfach was mit Geschmack zu tun… ;-)

  12. formschub Says:

    Aber Geschmack (hier: für Lebensmittel) ändert sich auch im Verlauf des Lebens – es gibt Essen, das habe ich als Kind ausgespien und heute könnt’ ich nicht mehr ohne (und umgekehrt). Wär doch mal interessant, da ein Blogstöckchen draus zu machen… Ich hätte dafür sogar hier eine Vorlage:

    http://formschub.de/blog/?p=8

    Macht jemand mit?

  13. Olli Says:

    … also mir fällt dazu spontan ein uralter Spruch ein: “Rosenkohl schmeckt besonders gut wenn man ihn zehn Minuten vor dem Verzehr durch ein saftiges Steak ersetzt!”

  14. Maditha Says:

    ..ein Gedicht, ein Gedicht..
    ” Ein Kohlkopf stand neben einem Rosenstock und schaute, verliebt wie ein Ziegenbock, tagtäglich der Rose blühende Pracht..und eines Tages- das heißt bei Nacht, da hielt der Kohlkopf es nicht mehr aus, es musste aus seinem Kohlherz heraus! Er kniete nieder, er seufzte, er schwur: ” Ich liebe dich, Rose..Dich liebe ich nur!”..und hat, wie´s so zu geschen pflegt der Rose das Kohlherz zu Füßen gelegt. Und Rose?…Im Dunkeln hat´s niemand gesehn, was weiter zwischen den beiden geschehn!..Doch im nächsten Jahr..was war da wohl? Da stand neben der Rose..Rosenkohl!

  15. Marc Says:

    Ich schick Euch mal beizeiten (wenn ich fertig renoviert habe und alles wieder an seinem Platz steht) ein Rezept für einen Rosenkohlauflauf mit Bechamel-Sauce. Hmmjam mjam mjam.

  16. Syberia Says:

    Da konnte ja nichts Gutes bei rauskommen, Maditha.

    Marc, mögest Du Dich noch durch viele, viele tausend Tapetenschichten arbeiten müssen, mögen immer neue Tapetenschichten nachwachsen, möge Dir der Kleister die Sinne vernebeln und alle Rezepte mit diesem gräßlichen Gemüse auf immerdar aus Deinem Gedächtnis löschen.

  17. Syberia Says:

    Olli, besser kann man es nur ausdrücken, wenn statt eines Steaks ein Stück Frühlingsgouda nimmt. Oder ein Achtel reifen französischen Brie. Oder eine fingerdicke Ziegenkäsekräuterrolle. Oder ein Scheibchen Brennesselkäse. Oder…

  18. Kristof Says:

    Frau Astrid hat Recht.

  19. Mike Seeger Says:

    Gerade eben vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung bekommen:

    “Der Verzehr von Rosenkohl schützt weiße Blutkörperchen vor Zellschäden
    die möglicherweise durch krebserregende Stoffe entstehen. Zu diesen
    zählen neben oxidativen Substanzen auch Amine, die sich beim Braten
    oder Grillen von Fleisch bilden. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die
    kürzlich ein europäisches Wissenschaftlerteam* in der Fachzeitschrift
    Molecular Nutrition and Food Research (Hoelzl et al. 2008, 52(3):330-41)
    veröffentlichte. Nach Aussagen der Forscher beeinflusst der Kohlverzehr
    den so genannten „Entgiftungsstoffwechsel“, wodurch der schützende
    Effekt zumindest teilweise zu erklären sei.”

    Also: Steak immer mit Rosenkohl. Allerdings isst man den doch im Herbst/Winter, nach dem ersten Frost. Dann wird nämlich Stärke in Zucker abgebaut und der Kohl schmeckt milder.

    Ro sen kohl! Ro sen kohl! Ro sen kohl!