Gnaaa! Ich will nicht!
Freitag, 4. April 2008 geschrieben von Syberia
Meine Mutter wird Samstag hier vorbei schauen und eine Freundin mitbringen. Meine Schwiegermutter verkündete daraufhin ebenso rigoros wie fröhlich “Wir kommen dann Samstag alle zu dir!”, womit sie sich selbst und ihre Schwester meinte. Bei so einem Familientreffen möchte die Oma natürlich nicht außen vor bleiben und aus dem 50 Kilometer entfernten Heimatort abgeholt werden: “Aber ich will nicht nur Kuchen essen, ich will auch Rommée spielen, sonst ist mir das zu langweilig!”. (Ja, denn Rommée ist ja so aufregend…)
Das heißt also trotz Arbeit bis unter beide Arme die Wohnung aufräumen und komplett und gründlichst putzen, Kuchen backen und die fünf Damen bewirten, unterhalten und durch die Gegend fahren.
Leider ist das so gar nicht kompatibel mit meiner Vorstellung eines netten Wochenendes. Andererseits: jedesmal, wenn ich im Ruhrgebiet unterwegs bin, wohne ich bei meinen Eltern und werde verköstigt und verhätschelt. Vier, fünf Mal im Jahr kommt meine Mutter auf Durchreise bei mir vorbei, ohne bei uns zu übernachten und mir ist das zuviel. Allerdings will sie dann den ganzen Tag unterhalten und bespaßt werden.
Ich bin wohl einfach ein undankbares, quengeliges Kröt.

April 4th, 2008 at 13:28
Sollenmer vorbeikommen und beim Putzen helfen?
April 4th, 2008 at 14:43
Ach, Gastfreundschaft gegenseitig aufzurechnen ist doof.
April 4th, 2008 at 22:41
Probieren Sie doch mal Canasta.
April 5th, 2008 at 09:18
@C.J.: Und wenn ich jetzt ja gesagt hätte? Ha!
@Kristof: Ich bin so erzogen worden, es steckt in mir drin.
@thilo: Das ist ja fast gar nicht mindestens genauso öde wie Maumau.
April 5th, 2008 at 17:23
Irgendwie scheinen alle Großmütter dieser Welt Rommée zu spielen. Man könnte mutmaßen, dass es einen fiesen Kartenschieberring im Rheinautalaltersheim Görlitz gibt, der die Omen (Pl. von Oma) mit Motivation und Material versorgt.
Und zur Gastfreundschaft: Die Gefühle einer Mutter-Kind-Beziehung sind eben nicht eins zu eins auf eine Kind-Mutter-Beziehung anwendbar – was nur normal und eigentlich auch recht gut so ist.
April 6th, 2008 at 16:10
Zehn Gründe, um es zu verfluchen, muss man in Görlitz nicht lang suchen.
April 7th, 2008 at 08:52
Wenn Sie ‘Ja’ gesagt hätte, was wenn ich ‘OK, ich komm gleich vorbei’ gesagt hätte? Ha!
Ach, wie war es denn? Leben alle noch? Das gab doch bestimmt neuen Stoff für dutzende von Artikeln.
April 7th, 2008 at 10:23
Diese Aussage überprüfen wir dann im Sommer, wenn Muttern wieder vorbeikommt…
Anstrengend war es. Wenn ich mir noch einmal das Hoechster Porzellanmuseum anschauen muss, fülle ich meine Taschen vorher mit Steinen.
April 7th, 2008 at 15:02
Strip-Poker?
April 7th, 2008 at 20:30
Einen Tag bespaßen? Meine Mutter bleibt immer gleich drei Tage. Sei nicht undankbar
April 7th, 2008 at 21:46
Glauben Sie mir, irgendwann sitzt man da und ist still verzweifelt, weil sie nie wieder kommt. Ich hab’s erlebt. Gäbe einiges für noch ein einziges Mal. Manchmal muss man dann heulen.
April 7th, 2008 at 23:03
Leben Sie noch?
Wir wohnen im gleichen Haus. Stellen Sie sich vor, ich hätte Ihre schriftstellerische Begabung. Bücher könnte man füllen. Bücher.
April 8th, 2008 at 08:24
@Kirsten: Dafür lege ich zuviel Wert auf mein Augenlicht.
@Stefan: Vor vier Jahren haben meine Mutter und ich fünf Tage auf 45m² in einer Berghütte verbringen müssen. Seitdem bekommen wir, ähnlich wie Steve Martin in “Tote tragen keine Karos”, hysterische Anfälle bei der Nennung eines bestimmten Wortes – und Muttern schaut nur noch auf einen Tag vorbei.
@creezy: Ja. Ich weiß… Wie gesagt, ich liebe meine Eltern – nur zusammen wohnen, das geht schon seit Jahren nicht mehr. Irgendwie haben sie auch nicht kapiert, dass die Erziehungsphase längst beendet ist, noch heute werde ich kritisiert, ich zöge mich nicht warm genug an, äße nicht genug Gemüse, gehe zu spät schlafen, nicht genug an die frische Luft, überall zu spät hin und so weiter und so weiter.
@Frau mariong: Nur keine falschen Hemmungen, erzählen Sie, erzählen Sie!