Der Geist von Canterbury

Mittwoch, 27. Februar 2008 geschrieben von Syberia

“Am 11. März starben 15 Mädchen, die versuchten, aus einer brennenden Schule in Mekka (Saudi-Arabien) zu entkommen. Mitglieder der saudi-arabischen Tugendkommission hatten die Mädchen am Verlassen des Gebäudes gehindert und Rettungskräfte mit Gewalt von der Arbeit abgehalten. Der Grund: Die Mädchen trugen nicht die vorgeschriebenen “Abayas”, schwarze Ganzkörper-Schleier ähnlich den in Afghanistan getragenen Burkas. Die westlichen Medien ignorierten den Vorgang weitgehend, während die arabischen Medien ungewohnt deutlich berichteten.”

“Der Erzbischof von Canterbury, das geistliche Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, hält die Einführung einiger Teile des islamischen Rechtssystems in Großbritannien für „unvermeidlich“. Das Vereinte Königreich müsse „der Tatsache ins Auge blicken“, dass sich einige der Bürger nicht mit britischem Recht identifizierten, sagte Rowan Williams dem BBC-Radio. Einige Aspekte der Scharia zu übernehmen, könne helfen, soziale Spannungen zu vermeiden. Bei Ehe- oder Finanzstreitfällen etwa sollten Muslime zwischen den Rechtssystemen wählen können.”

22 Antworten to “Der Geist von Canterbury”

  1. haekelschwein.de Says:

    Naja, naja, die Meldungen passen nicht wirklich zusammen.

    Dass die Sharia eine Ganzkörperverschleierung vorschreibt, wird ja nur von den wenigsten Moslems so gesehen.

    Und bei Gefahr für Leib und Leben darf ohnehin von den religiösen Geboten abgewichen werden, weshalb die Tugendkommission sogar nach saudi-arabischen Maßstäben falsch gehandelt hat.

    Nonnen dürfen auch nicht nackt auf die Straße laufen, aber wenn es bei einem Klosterbrand nicht anders möglich ist, dann schon. Wenn die Oberschwester aber nun die Türen abschließt und die Nonnen verbrennen lässt, dann ist das zunächst einmal ein Grund die Oberschwester zu kritisieren, aber spricht für sich genommen noch nicht gegen die Ordensregeln.

    Und dieser stets falsch zitierte Erzbischof wollte weder die Sharia noch gar einen Burka-Zwang einführen, es ging ihm wohl eher darum, dass man bei einer Vermittlung zwischen muslimischen Streitparteien auch deren Rechtsverständnis im Auge behält. Kuckstu hier: http://www.archbishopofcanterbury.org/1581

    Ein unterschiedliches Recht für unterschiedliche Religionsangehörige wäre ja in der Tat absurd. Mich ärgert es ja schon, dass man vor einem deutschen Gericht ” so wahr mir Gott helfe” oder “bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden” schwören kann, wo doch angeblich Staat und Kirche getrennt sind.

  2. kaltmamsell Says:

    Aber Feminismus ist ja sowas von überholt, stellen Sie sich bitte nicht so an.

  3. Syberia Says:

    “Dass die Sharia eine Ganzkörperverschleierung vorschreibt, wird ja nur von den wenigsten Moslems so gesehen.” Interessant, in wie vielen Ländern es dennoch unter Todesstrafe geboten ist. Gefahr für Leib und Leben besteht, wenn von religiösen Geboten abgewichen wird, da wird gesteinigt, geköpft und zu Tode gepeitscht.

    Der Islam geht einher mit der Unterdrückung der Frau. Bitte jetzt keine Diskussionen darüber, was wie wo im Koran steht oder nicht steht, ein Blick auf die moslemischen Länder genügt zur Untermauerung dieser These. Ich hingegen möchte in einer freien Gesellschaft leben und keiner Tugendkomisssion und Religionspolizei unterworfen sein. Ich möchte nicht, dass in meinem Land Gesetze der Scharia Beachtung finden, ich möchte keine zwölfjährige Mädchen im Supermarkt sehen, die “freiwillig und aus religiösen Gründen” ein Kopftuch tragen, ich möchte nicht, dass Menschen, die sich kritisch oder humoristisch gegen den Islam äußern, deshalb um ihr Leben fürchten und im Untergrund leben müssen und ich möchte nicht, dass man über der Beschäftigung mit den Motiven und der korrekten Behandlung von Terroristen deren Opfer vergisst. Ich möchte weder einem Gott noch (m)einem Mann dienen müssen – und wenn mich das zu einer Feministin macht, dann, verdammt noch mal, werde ich meine blauen Strümpfe mit Stolz tragen.

  4. saunabiber Says:

    Also ICH möchte mich in aller Form bei den Moslems dieser Welt und besonders bei denen die hier leben entschuldigen:

    We’re sorry we gave you shelter when war drove you from your home country…
    We’re sorry we took you when others rejected you…
    We’re sorry we gave you the opportunity to get a good education…
    We’re sorry we gave you food and home when you had none…
    We’re sorry we let you re-unite with your family when your homeland was no longer safe…
    We’re sorry we never forced you to work while WE paid all of your bills
    We’re sorry we gave you almost FREE rent, phone, internet, car and school for your 10 kids…
    We’re sorry we build your Mosques so you could worship your religion in our Christian land…
    We’re sorry we never forced you to learn our language after staying 20 years!…

  5. haekelschwein.de Says:

    Wie gutherzig wir doch sind, saunabiber: Obwohl wir im Westen ja nicht die geringste Schuld an den Kriegen und politischen Verhältnissen in den Erdölstaaten tragen, nehmen wir trotzdem alle Menschen mit offenen Armen auf und integrieren sie freudig in unsere Vereine und Nachbarschaften, ohne Vorurteile und Aversionen unsererseits. Und wir zwingen sie noch nicht mal zum Kirchenbesuch, sondern lassen sie in Moscheen gehen. Und alle Rechnungen zahlen wir auch noch für sie, sogar ein Auto schenken wir ihnen (denn jeder Asylant hat einen Benz vor der Tür, dass weiß ich vom Stammtisch!). Und wie dankt es uns der Muselmann? Indem er frech wird – womöglich gar unsere Töchter begrapscht!

    Ein wenig mehr Respekt vor blonden Christen könnten wir schon erwarten, gell, saunabiber?

    (Verständnishinweis für Menschen mit Ironiebehinderung: Obiges war sarkastisch gemeint.)

  6. mariong Says:

    Ja Frau Syberia. Dreimal Ja.
    Bei mir ist es schlimmer, ich möchte nicht mal, dass meine Tochter im Kindergarten oder in der Schule eine Erzieherin/Lehrerin hat, welche verschleiert/bekopftucht geht. Denn ich nehme dies auch weniger als religiöses sondern als weltanschauliches Signal.
    Das darf ich aber eigentlich gar nicht zugeben.
    Die elegante Lösung ist, einen auf “weltoffen” zu machen und die Kinder in evangelische/katholische Bildungseinrichtungen zu schicken. Da stößt man keinem vor den Kopf.

    Hatten wir nicht auch mal eine Richterin, die der Meinung war, die marokkanische Klägerin soll sich nicht so haben, da in deren Heimat doch körperliche Züchtigung durch Ehemänner durchaus üblich sei?

  7. haekelschwein.de Says:

    @Syberia u.a.:
    >
    >Interessant, in wie vielen Ländern es dennoch unter Todesstrafe geboten ist.
    >Gefahr für Leib und Leben besteht, wenn von religiösen Geboten abgewichen
    >wird, da wird gesteinigt, geköpft und zu Tode gepeitscht.
    >
    In wie vielen denn? Saudi-Arabien. Das ist eines. Und früher mal Afghanistan und Iran.

    Genauso könnte man sagen: “In christlichen Ländern droht sogar minderjährigen Tätern die Todesstrafe.” Wenn man dann nachfragte, in wie vielen, bekäme man als Antwort: In den USA.

    Soll heißen: Man sollte bezüglich einer Fremdgruppe das gleiche Unterscheidungsvermögen walten lassen wie bezüglich der Eigengruppe. Man soll nicht von “den meisten christlichen Staaten” sprechen, wenn man nur ganz bestimmte meint und deren Verhalten offenbar nicht allgemeingültig für das Christentum ist. Gleiches gilt für den Islam.

    >
    >Der Islam geht einher mit der Unterdrückung der Frau. Bitte jetzt keine Diskussionen darüber,
    >was wie wo im Koran steht oder nicht steht, ein Blick auf die moslemischen Länder genügt
    >zur Untermauerung dieser These.
    >
    “Der Islam geht einher mit schwarzen Haaren. Ein Blick auf die moslemischen Länder genügt zur Untermauerung dieser These.”

    Oder kann es nicht eher sein, dass der Islam vornehmlich in jenen Weltregionen verbreitet ist, in denen die Menschen schwarze Haare haben?

    Ist der Islam die Ursache der dortigen patriarchalen Gesellschaft oder würde man dort nicht seine Frauen genauso behandeln, wenn man christlich missioniert worden wäre? Schließlich bietet das Christentum mehr als genug Rechtfertigungsgründe für das Unterdrücken von Frauen und die letzten über 1900 Jahre haben wir Europäer auch reichlich Gebrauch davon gemacht. Mittlerweile interpretieren wir das Christentum etwas frauenfreundlicher (die Katholiken nicht ganz so sehr), aber aus dieser positiven Neuerung gleich zu schließen, der Islam sei per se frauenfeindlich und das Christentum nicht, ist doch weit hergeholt. Beide Religionen haben große frauenfeindliche Anteile, nur sind die in unserem Kulturkreis nicht mehr so opportun.

    >
    >Ich hingegen möchte in einer freien Gesellschaft leben und keiner
    >Tugendkomisssion und Religionspolizei unterworfen sein.
    >
    Das möchte ich auch nicht. Wer das möchte, sind die religiösen Fundamentalisten auf christlicher und muslimischer Seite. Letztere sind in einigen Staaten an der Macht und können es daher durchsetzen, erstere haben vergleichsweise weniger Macht und schaffen es daher nur, einzelne Gesetze zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die eine Seite bekommt ihren Willen, die andere nicht, aber der Wille selbst ist beiderseits vorhanden.

    >
    >Ich möchte nicht, dass in meinem Land Gesetze der Scharia Beachtung finden
    >
    Und ich möchte nicht, dass in meinem Land Bischöfe von allgemeinen Steuern bezahlt werden, Kruzifixe in Schulen hängen und gleichgeschlechtliche Paare benachteiligt werden, aber manchmal setzen sich die religiösen Spinner halt durch. Wir täten gut daran, wenn wir Religion und Staat noch viel strenger trennen würden.

    Zugleich muss man immer nachfragen, was ein Moslem denn damit meint, wenn der die Scharia befürwortet, da die Interpretationsbandbreite doch sehr groß ist.

    Wenn mir ein Christ sagt, er möchte, dass sich die Menschen mehr an die Bibel halten, denke ich ja auch nicht gleich, dass er für Steinigungen, Kopftuchzwang, Schweinefleischverbot und das Töten von Schwulen und Ehebrechern ist, denn all dies wird in der Bibel(!) gefordert.

    >
    >ich möchte keine zwölfjährige Mädchen im Supermarkt sehen, die “freiwillig und aus religiösen Gründen” ein Kopftuch tragen
    >
    Und genau dieser Wunsch würde erfüllt, wenn man das Kopftuchtragen verböte: Man müsste die Mädchen nicht mehr im Supermarkt sehen – weil sie dann zuhause blieben!

    Das Kopftuch an sich ist ja auch nicht das Problem. Oder will man auch dem Sikh seinen Turban nehmen, dem orthodoxen Juden seine Schläfenlocken und dem Christen sein Kreuzkettchen?

    Wirkten meine selbstbewussten kopftuchtragenden Kommilitoninnen unterdrückt? Nein, die nicht, aber es gibt auch jene Türkinnen, die nur die nötigste Schulbildung erhielten, in erster Linie im Haushalt helfen mussten und möglichst schnell verheiratet wurden. Aber liegt das wieder am Islam? Oder ist es nicht schlichtweg ein Unterschied, ob eine Familie aus Istanbul hierher kommt oder aus einem anatolischen Bergdorf?

    >
    >ich möchte nicht, dass Menschen, die sich kritisch oder humoristisch gegen den Islam äußern,
    >deshalb um ihr Leben fürchten und im Untergrund leben müssen
    >
    Ich möchte sogar noch viel mehr, nämlich dass Blasphemie überhaupt kein Straftatbestand mehr ist. Meine eigenen christlichen Mitbürger sehen das aber teilweise anders, wenn ich mal den Spiegel vom 19.06.2006 zitieren darf:

    “CSU-Chef Edmund Stoiber hat eine Initiative zur Verschärfung der Strafen für Gotteslästerung angekündigt. Nach dem Willen des bayerischen Ministerpräsidenten soll “schwere” Gotteslästerung künftig konsequent und härter bestraft werden.”

    >
    >und ich möchte nicht, dass man über der Beschäftigung mit den Motiven und der
    >korrekten Behandlung von Terroristen deren Opfer vergisst
    >
    Die bisherigen Opfer sind tot. Die zukünftigen noch nicht. Und damit sie es nicht werden, muss man die Ursachen des Terrorismus erforschen und abstellen.

    >
    >Ich möchte weder einem Gott noch (m)einem Mann dienen müssen
    >
    “Ich will euch aber noch zu wissen geben, daß eines jeden Mannes Haupt der Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, und das Haupt des Christus ist Gott. (1Kor 11. 3)

    Der Islam an sich ist nicht gefährlicher als das Christentum. Das Problem ist lediglich, dass der Westen aus wirtschaftlichen Interessen dazu beigetragen hat, in erdölreichen Gebieten Diktaturen zu errichten, die unter religiösen Vorwänden ihre Bevölkerung knechten und die Bodenschätze, die eigentlich allen Einwohnern gehören, zum alleinigen Nutzen der Führungsschicht ans Ausland zu verscherbeln.

    Man denke daran, dass ausgerechnet Saudi-Arabien ein Verbündeter(!) der USA ist, obwohl dort die radikalste Theokratie verwirklicht ist (Frauen dürfen nicht mal Auto fahren), während andererseits der Iran, der zunehmend moderater wird (Frauen dürfen dort z.B. studieren, was bei uns auch erst seit rund 100 Jahren der Fall ist) als Erzfeind gilt. Wenn es dem Westen wirklich um Menschenrechte ginge, würde man seine Verbündeten anders wählen.

    Das viele Geld, das die Saudi-Familie einnimmt, kommt natürlich nicht einfach dem Lebensstandard der breiten Bevölkerung zugute, sondern wird in privates Luxusleben und weltweite religiöse Propaganda gesteckt, die den radikalen wahabitischen Islam über Koranschulen und Stiftungen verbreitet.

    Es gibt hierzu den schönen Vergleich, dass man sich vorstellen solle, in den USA würde der Ku-Klux-Klan die Macht ergreifen und der kulturelle Export der USA würde aus dessen Ansichten bestehen. Da würde ein unbedachter Hindu oder Moslem sicher schnell auf die Idee kommen, das Christentum sei eine ganz schreckliche Religion, ohne zu bedenken, dass es auch weitaus gemäßigtere, menschenfreundlichere christliche Konfessionen gibt.

    Neben unseren Steigbügelhaltern in den Erdölgebieten, gibt es natürlich auch noch eine antiwestliche Widerstandsbewegung “von unten”. Die bedient sich ebenfalls des Islams, weil dies ein verbindendes Element untereinander und zugleich eine Abgrenzung zum Westen ist. So muss man dem einfachen Mann auf der Straße nicht umständlich erklären, was es mit weltweiten Wirtschaftskreisläufen und Imperialismus auf sich hat, sondern kann ihm die einfache Formal präsentieren: “Wir Muslime hier gegen die Christen dort!” Das ist so schön simpel, dass es jeder versteht, denn es funktioniert ja umgekehrt bei uns auch.

    Fazit: Schwarzweißdenken hilft nicht weiter, sonst bekommt man irgendwann Applaus von der falschen Seite (3,14159265).

  8. Henriette Says:

    Man muss aber das Kirchlein auch ein wenig im Dorf lassen. Es ist ja nun wahrlich nicht so, dass Teile der Sharia geltendes Britisches Recht werden sollen. Es geht vielmehr darum, dass z. B. im Zuge familiärer und finanzieller Auseinandersetzungen ( und in religiösen Fragen sowieso) den gläubigen Muslimen die Möglichkeit gegeben wird, mit ihren eigenen religiösen “Beratern” zusammenzusitzen und diese Situationen zu besprechen. Beschlüsse, die bei solchen Meetings gefasst werden, werden für diese Gruppe dann auch gelten. Dabei darf beileibe NICHT gegen geltendes Britisches Recht verstossen werden. Das hat der Bischof gemeint – weil die muslimische Gemeinschaft teilweise ihren eigenen Vertretern mehr vertraut, als z. B. einer britannischen Councilangestellten.
    Auch ich bin nicht der Ansicht, dass sich unsereiner im täglichen Leben den Bedürfnissen radikaler Muslime anpassen muss, nur weil sie hier leben. Es gibt genug Länder auf der Welt, in denen jeder gläubige Muslim seine/ihre variierenden Auslegungen ihres Glaubens mehr oder weniger radikal (z. B. Saudi-Arabien) oder recht moderat (z. B. UAE) ausleben können. Dort können sie dann auch Lehrer werden und im Schleier unterrichten. Hier nicht, so ist das eben. Ziehe ich in eines dieser Länder, werde ich mich ja auch den dortigen Gegebenheiten anpassen müssen. Ich bin aber durchaus der Meinung, dass, wenn geltende Gesetze nicht gebrochen werden, man unterschiedlichen religiösen Gemeinschaften die Möglichkeit geben sollte, ihrem Glauben entsprechend zu leben. Wie gesagt – nicht, wenn geltende Gesetze gebrochen werden und der Vorschlag des Bischofs bezüglich der Anwendung bestimmter Aspekte der Sharia innerhalb muslimischer Glaubensgemeinschaften sieht dieses beileibe nicht vor. Ein Muslim, der seine Frau steinigt, würde hier weiterhin wegen Mordes verurteilt. Dennoch, having said that, ob man die Sharia nun in Teilen anerkennt, oder nicht, im Verborgenen wird sie ja unter den radikalen Muslims überall sowieso angewandt. Was ich furchtbar finde.

  9. Syberia Says:

    Ich lehne die Todesstrafe ab, egal in welchem Land. Jedesmal, wenn ich bestimmte islamische Praktiken der Religionsausübung an den Pranger stelle, wird auf die Todesstrafe in den USA verweisen. Und? Weil die das machen, dürfen die anderen es auch? Ich verstehe das Argument nicht. Wenn ich gegen die Unterdrückung der Frau im Islam bin, bin ich, hab’ ich dann George Bush gewählt?

    Nicht alle Opfer sind tot. Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. Das Kopftuch ist das Zeichen, das die Frauen zu den anderen, zu Menschen zweiter Klasse macht. Als Symbol ist es eine Art „Branding“, vergleichbar mit dem Judenstern. Und real sind Kopftuch und Ganzkörperschleier eine schwere Behinderung und Einschränkung für die Bewegung und die Kommunikation.

    Das Christentum IST eine ganz schreckliche Religion. Vor den Ältaren in den Krichen hängt das Abbild eines zu Tode gefolterten Mannes, Priester drohen mit ewiger Verdammnis und Höllenfeuer und werfen aus der Kirche, wer sich öffentlich kritisch äußert. Was schließen wir daraus? Dass der Islam auch ein Recht auf Schlechtigkeit hat, auf Folter, Unterdrückung und Ermordung Andersgläubiger? Das kann’s doch wohl nicht sein.

    Es geht nicht um ein Denken in schwarz und weiß, es geht darum, dass wir nicht aus “Toleranz” unsere Augen verschließen vor den Relikten menschenverachtender islamischer Konventionen.

  10. haekelschwein.de Says:

    >
    >auf die Todesstrafe in den USA verweisen. Und?
    >Weil die das machen, dürfen die anderen es auch?
    >

    Nein, sondern:

    Obwohl die Amerikaner das machen und Christen sind, heißt es noch lange nicht, dass Todesstrafe ein inhärenter Bestandteil des christlichen Glaubens ist.

    Obwohl in Saudi-Arabien Frauen ausgepeitscht werden, heißt es noch lange nicht, dass dies ein notwendiges Merkmal des Islam ist.

    Das war mein Argument.

  11. Syberia Says:

    Doch. Genau das heißt es.

    Gerichtsurteile in islamisch geprägten Staaten berufen sich auf islamisches Recht. Da wird dann zum Beispiel eine Frau zu 60 Peitschenhieben und 6 Monaten verurteilt, weil sie von ihrem Schwager vergewaltigt wurde und außerehelicher Geschlechtsverkehr laut Scharia streng verboten ist. Sie kann sich sogar noch glücklich schätzen, denn das Urteil hätte auch auf Tod durch Steinigung oder durch Enthauptung durch ein Schwert lauten können…

    Zur Zeit ist die Scharia Rechtsgrundlage in Nigeria, den Malediven, im Iran, in Saudi-Arabien, Bangladesch, Mauretanien, Afghanistan, Sudan, Gambia, Senegal, Katar, Kuwait, Bahrain, der indonesischen autonomen Provinz Aceh, Jemen und Pakistan. In Griechenland gilt für die muslimische Minderheit (Pomaken und Türken in Westthrakien) in den persönlichen Status und das Familienrecht betreffenden Angelegenheiten die Scharia, sofern die Angehörigen der Minderheit ihre Angelegenheiten nach der Scharia anstelle des griechischen Rechts geregelt haben möchten. Der kanadische Arbitration Act erlaubte es in der Provinz Ontario, häusliche Dispute (wie Scheidungs-, Vormundschafts- und Erbschaftsklagen) vor einem religiösen Schiedsgericht zu verhandeln, wenn alle Parteien damit einverstanden waren.

    Europäisches und USA-Recht ist von christlichen Werten und Moralvorstellungen geprägt. Die Todesstrafe erfolgt nach dem (christlichen!)Racheprinzip “Auge um Auge, Zahn um Zahn”. Allerdings heißt es in der Bibel auch “Die Rache ist mein, spricht der Herr”.

  12. haekelschwein.de Says:

    Man kann Christ sein, ohne für die Todesstrafe oder gegen Abtreibung zu sein, auch wenn das christliche Fundamentalisten in den USA anders sehen, aber deren Meinung mache ich mir nicht zu eigen.

    Man kann Moslem sein, ohne für die Einführung der Sharia zu sein, auch wenn das islamistische Fundamentalisten anders sehen, aber deren Meinung sollte man sich nicht zu eigen machen.

    Wenn man behauptet, Islam bedeute notwendigerweise Sharia und Sharia bedeute notwendigerweise die Umsetzung jeder Regelung einschließlich Steinigung, dann übernimmt man das Geschäft der Fundamentalisten und redet ihnen nach dem Mund, während man zugleich den reformorientierten moderaten Muslimen in den Rücken fällt.

    Warum sollte man gerade den Radikalen die Deutungshoheit über den Islam überlassen und deren extreme Ansichten auch noch überhöhen, indem man sie als “muslimisch” anerkennt, anstatt zu sagen, dass sie hier eine Religion für ihre eigenen Zwecke missbrauchen und dass es genug Muslime gibt, die es zum Glück anders sehen.

    Wollen wir die Fundamentalisten wirklich als die wahren Muslime betrachten, nur damit wir ein schöneres Feindbild haben? Oder sollten wir sie nicht als die Scharlatane entlarven, die sie sind, und eher die liberalen Muslime als die wahren Vertreter ihres Glaubens betrachten?

    Ein deutscher ev.-luth. Protestant möchte doch auch nicht von Andersgläubigen immer die wiedergeborenen evangelikalen Christen oder den Ku-Klux-Klan oder das Opus Dei vorgehalten bekommen, wenn er sagt, dass er Christ ist. Und noch weniger möchte er sich anhören, dass er wohl kein echter Christ sei, wenn er mit diesen Fundamentalisten nichts zu tun haben wolle.

  13. Schwarzmaler Says:

    “Das Christentum ist eine schreckliche Religion”. Je nun, der Satz tut mir seelisch weh, und dabei bin ich noch gar nicht kirchennah. Das Christentum geht in der Kreuzigung Jesu an die Grenzen des menschlichen Leidens, aber ob unsere Welt eine bessere wäre ohne diese Religion der Versöhung, des Opfers möchte ich bezweifeln. Ohne Religion bleibt am Ende der sachlich-logische Darwinismus von Auswahl und Auslese. Und wann hat man denn schon die Gelegenheit, einen Priester von Höllenqualen und Verdammnis predigen zu hören? Die Predigten, die ich erlebt hatte, waren eher perwollgespült. Sicher, ich weiß, das Christentum hat Schreckliches in der Geschichte verursacht, aber oft war Religion auch nur ein vorgeschobener Anlaß, Krieg und Gewalt vom Zaune zu brechen. Das Christentum ist sicher eine der gebrocheneren, widersprüchlicheren Religionen, was es angreifbarerer macht, aber auch stärker und interessanter. Inquisition und Menschenrechte, Kreuzzüge und Pazifismus, Leiden und Auferstehung, protestantische Papstverachtung und lutherisch verankerte Kaisertreue, Matthäus und Johannes. Bitte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, Europa wäre sicher farbloser ohne die Konstantinische Wende.

  14. mein arsch Says:

    Bei aller Gemütsruhe – ohne das Christentum wäre die Welt und Europa im Besonderen WEIT besser dran gewesen. Allein weil wir uns die schrecklichen Jahrhunderte erspart hätten, die man nicht umsonst als das FINSTERE Mittelalter bezeichnet. Hätte es das nicht gegeben wäre die Wissenschaft schon locker zwei- bis dreihundert Jahre weiter! Sorry, aber das kann zumindest ich dem Christentum nicht so einfach vergeben.

  15. haekelschwein.de Says:

    Vielleicht. Aber es ist ebenso möglich, dass wir Europäer ohne Christentum andere Vorwände gefunden hätten, um Frauen zu unterdrücken, wissenschaftlichen Fortschritt zu behindern, Hexen zu verbrennen und andere Völker zu unterjochen. Dann wäre es eben nicht als “Gottes Wille” verkauft worden, sondern als “Thors Wille” und statt Kreuzzügen hätte es Hammerzüge gegeben.

    Das Christentum ist nicht deshalb untauglich, weil es alle Schlechtigkeiten der letzten zwei Jahrtausende verursacht hätte, sondern weil es keine einzige davon verhindert hat.

    Ein Medikament, dass so wenige positive Wirkungen wie das Christentum hat, wäre schon längst als unbrauchbar vom Markt genommen wurden – es ist ein reines Placebo. Ohne Christentum wäre unsere Geschichte wahrscheinlich weder besser noch schlechter verlaufen.

    Christlich zu sein hat weder die einzelnen Menschen, noch die Staaten daran gehindert, sich gegenseitig umzubringen, auszurauben und auszurotten, und es hat erst recht nicht dazu geführt, dass Nächstenliebe untereinander waltet.

    Die anderen Religionen haben zwar auf den ersten Blick erheblich weniger Tote auf dem Kerbholz als das Christentum, aber das liegt auch wieder nicht an der Religion per se, sondern eben daran, dass eine technisch hoch entwickelte, aber rohstoffarme Kultur wie die europäische mehr Möglichkeiten und Anlässe zum Kriegführen hat als andere.

  16. Schwarzmaler Says:

    @Mein Arsch. So habe ich auch mal gedacht. Fortschritt. Toll Laßt die Wissenschaftler machen. Die erfinden nacheinander das Rad, die Gummibärchen und geschnittenes Brot. Und alle Menschen leben glücklich und zufrieden. Wenn, ja wenn da nicht der Effizienzglaube wäre. Dann sehen alle Einkaufsstraßen aus wie in Elmsbüttel – links neben Fielmann vorbei an C&A und P&C zu Starbucks im Untergeschoß des Saturn – dann wohnen die Menschen in Schachtelwohnungen a la Lichtenhagen, und achtspurige Stadtautobahnen führen die Massen aus ihren Wohnghettos zur Arbeit in die Großraumbüros. Ich war gerade in Aachen. Das einzig sehenswerte ist der Dom, und dort die Kunstwerke in der Schatzkammer. So finster kann eine Zeit, die das Lotharkreuz hervorgebracht hat, nicht gewesen sein. Finster waren wohl die Jahre des Umbruchs in der kleinen Eiszeit, mit schwacher Zentralmacht, Mißernten, Pest und Autoritätsverlust der Katholischen Kirche nicht zuletzt durch Spottschriften eines Martin Luthers.

  17. haekelschwein Says:

    Nicht uninteressant: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27407/1.html

  18. Syberia Says:

    Wenn 99,9 Prozent aller Muslime friedliche Menschen und nur ganz wenige gewaltbereite Extremisten sind, dann fragt man sich doch, weshalb der Islam als “Religion des Friedens” von dieser kleinen radikalen Minderheit missbraucht und als Geisel genommen wird und weshalb sich 99,9 Prozent von 0,1 Prozent missbrauchen und als Geisel nehmen lassen, ohne die winzig kleine radikale Minderheit in ihre Schranken zu weisen?

  19. haekelschwein Says:

    Das ist ein gefährliches Sippenhaftargument, denn es bedeutet: Wenn sich eine kleine Minderheit einer Gruppe falsch verhält, ist die Gruppenmehrheit dafür verantwortlich.

    Und wer nimmt vor allem die Gruppeneinteilung vor? Ein Durchschnittsmoslem fühlt sich für die Islamisten wohl kaum verantwortlich, weil sie ihm fremd sind. Von außen hingegen werden beide in einen Topf geworfen und die Taten der Extremisten auch den Moderaten mit angerechnet.

    Das ist so, als ob alle Katholiken für den IRA-Terror verantwortlich wären oder als ob sich ein deutscher Protestant dafür rechtfertigen müsste, dass ein US-Evangelikaler einen Abtreibungsarzt erschossen hat. Oder als würde man mich für Neonaziausschreitungen verantwortlich machen, nur weil ich zufällig auch Deutscher bin und weil die Neonazis behaupten, die wahren und besonders reinen Deutschen zu sein, was ich aber ja gerade nicht anerkenne.

    Mehr dazu in einem alten Blogeintrag von mir:
    http://quantenleser.de/cgi-bin/blosxom.cgi/Gesellschaft/060927_distanzieren.htm

  20. mariong Says:

    Als die ETA wieder Anschläge verübte, gingen in Barcelona Hunderttausende Menschen auf die Straßen und machten klar “Ihr tut das nicht für uns sondern gegen unseren Willen”.

    Als die Anschläge des 11. September verübt wurden und auch spätere Anschläge verübt wurden, wo waren bitte die Distanzierungen von Muslims, auch von welchen, die in Europa leben? Muss ich irgendwie verpasst haben.
    Stattdessen hörte man mehr oder weniger unter der Hand “geschieht denen ganz recht / die haben angefangen / u.a.”

    Als eine Tatort-Folge seltsam war, hatten wir eine Demonstration. Da war es wichtig genug, da konnte man Menschen mobilisieren.

  21. Syberia Says:

    Ja.

  22. Jens Says:

    Religionen sind fürn ARSCH.
    Um es mal flegelhaft auszudrücken