Mittwoch, 16. Januar 2008 geschrieben von Syberia
Bereits 33 Millionen Euro an öffentlichen Subventionen sind im Vorjahr 2007 geflossen, um dort die Infrastruktur für ein neues „Nokia Village“ (Dorf) zu errichten. Und bereits seit 2006 verhandelte die Region Cluj mit Nokia, nachdem die rumänische Stadt Targu-Mures bereits zuvor ihre Chancen auf den Zuschlag verspielt hatte, weil sie die von Nokia verlangte Geheimhaltung brach.
Was man davon hält, kann man Nokia zum Beispiel in einer E-Mail an home-products@nokia.de mitteilen. Bitte zahlreich mailen und diese Mail-Adresse noch zahlreicher weitergeben.
Dieser Eintrag wurde geschrieben
am Mittwoch, 16. Januar 2008 um 20:26 und gehört zur Kategorie Treu&Glauben.
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Januar 16th, 2008 at 22:28
Man sollte vielleicht zusätzlich auch an seinen Europa-Abgeordneten schreiben, denn irgendwie ist dieses Subventionssystem ja für die Katz, wenn es nur zu einem ständigen Wanderzirkus führt:
1. Subventionen dafür kassieren, dass man in Land A einen Produktionsstandort aufbaut.
2. Subventionen dafür kassieren, dass man in Land A bleibt und den Standort ausbaut.
3. Warten.
4. Nach Land B auswandern.
5. Subventionen dafür kassieren, dass man in Land B einen Produktionsstandort aufbaut.
6. Subventionen dafür kassieren, dass man in Land B bleibt und den Standort ausbaut.
7. Warten.
8. Nach Land C auswandern.
9. Subventionen dafür kassieren, dass man in Land C einen Produktionsstandort aufbaut.
Und so weiter…
Eigentlich dürften doch innerhalb eines vereinten Europas keine Subventionen mehr dafür gezahlt werden, dass sich die Staaten untereinander die Industrieansiedlungen abwerben. Wenn ein Unternehmen seine Produktion von Amerika nach Europa verlagert, kann ich europäische Subventionen dafür ja noch nachvollziehen. Aber wenn in dem einem europäischen Land dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden, dass die gleichen Arbeitsplätze vorher in einem anderen europäischen Land abgebaut wurden, dann ist das doch gesamteuropäisch betrachtet bestenfalls ein Nullsummenspiel und verdient keine Unterstützung durch Subventionen.
Das wäre ja so, als wenn ein deutsches Unternehmen dafür Subventionen kassierte, dass es die Hamburger Belegschaft entlässt und in der Münchner Zweigstelle neu einstellt. Das wäre auch keine Schaffung, sondern nur eine Verlagerung von Arbeitsplätzen.
Januar 16th, 2008 at 22:39
Natürlich ist es schade um die Subventionen. Aber dieser Aspekt trifft auch nur wieder den schnöden Mammon. Ich finde es einfach unglaublich, dass es kaum noch “moralisches” Unternehmertum gibt. Man hat den Eindruck, da sitzen nur noch gefühlskalte Zahlenknechte an den Hebeln der Macht.
Und wir wundern uns, über den Werteverfall in der Gesellschaft…
Ich bin durchaus ein wirtschaftsfreundlicher Kopf und gedanklich eher konservativ zu Hause, aber solches Verhalten ist absolut daneben – egal, ob dabei irgendwo ein paar Millionen gespart werden können oder nicht.
Ich denke, hier hilft nur handeln. Und zwar auf ganz breiter Basis.
Ich meine:
Wenn NOKIA Deutschland nicht mehr braucht, braucht Deutschland auch NOKIA nicht mehr! Und tschüß…
Ich mache mit, beim Markenwechsel!
Der Tom
Januar 16th, 2008 at 23:18
Markenwechsel ist schön, aber wohin?
Und moralische Unternehmer gibt es natürlich. Die fegen bei mir das Treppenhaus, um die Schulden ihrer Insolvenz abzahlen zu können.
Kein Firma kann es sich leisten, als einzige moralisch zu handeln, solange unmoralisches Handeln gesetzlich erlaubt ist, denn dann würde sie ihrer Konkurrenz einen Vorteil lassen. Wirtschaftliche Moral muss in Gesetze gefasst sein, damit man als Unternehmer sicher ist, dass sich auch die Mitbewerber unter Androhung von Strafe daran halten müssen.
Für die Moral ist also der Staat zuständig: Der muss gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, die so aussehen, dass jeder Unternehmer, der sich daran hält, automatisch gemeinschaftsverträglich handelt. Und gemeinschaftsschädigendes Handeln muss immer zugleich illegales Handeln sein, dafür hat der Gesetzgeber zu sorgen.
Januar 16th, 2008 at 23:40
[...] (Nach einer Anregung aus dem Hackblog) [...]
Januar 17th, 2008 at 10:18
“Kein Firma kann es sich leisten, als einzige moralisch zu handeln …”
Sicherlich kann sie das. Wenn sie das als einzige tut, hat sie sogar einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Man muss das nur richtig verkaufen. Wer aber nur so tut (“Mit sozial ausgerichteten und umwelt- bezogenen Programmen zeigt Nokia hohes Verantwortungsbewusstsein.“), gehört mit Katzenscheiße beworfen und boykottiert, gern auch durch Wechsel zu anderen Ausbeutern.
Januar 17th, 2008 at 10:27
@Tom
Was hat das denn auch mit Unternehmertum zu tun? Das ist eine AG, die ihren Aktionären verpflichtet ist. Und denen dürfte es mehrheitlich darum gehen, soviel Dividende wie möglich zu kassieren.
Januar 17th, 2008 at 11:26
Wir Kapitalismus funktioniert, könnt Ihr hier sehen:
Auf der Seite Nokia-boykott.blog.de wird dazu aufgerufen, nie mehr ein Nokia-Handy zu kaufen. Und sämtliche dort eingeblendeten Google-Anzeigen werben für… Nokia-Handys!
Aber mal im ernst: Ich bin immer für Boykott, wenn man damit ein schwarzes Schaf wieder auf den richtigen Weg bringen kann. Bisher konnte mir aber noch niemand den Namen eines weißen Schafes nennen: Welche Handy-Marke schafft in Deutschland Arbeitsplätze statt sie abzubauen?
Januar 17th, 2008 at 11:50
Bin mal von Nokia auf Siemens umgestiegen, um die Knappen zu unterstützen. Dann kam der Verkauf -an wen nochmal? Mein M65 war nie gut und jetzt ist es fast kapott. Plante schon, wieder Nokia zu nehmen. Und nun? Etwa ein E.-Sony, ein Walfangnationshandy?
Januar 17th, 2008 at 11:51
Oder einen chinesischen Fluss- und Grundwasservergifter?
Januar 17th, 2008 at 13:43
[...] Lust hat, NOKIA gerne seine eigene Meinung zu geigen mitzuteilen, kann dem guten Beispiel vom Hackblog folgen und den Konzern anschreiben. Aber nicht enttäuscht sein, wenn keine Rückmeldung erfolgt. Ich spreche da aus [...]
Januar 17th, 2008 at 14:05
Erinnern Sie sich noch an die Zeit so vor, sagen wir mal 10 Jahren? Waren Sie da schon auf der Welt? Hatten Sie schon ein Handy?
Ich hatte keins und habe über jeden, der eins hatte, gelacht, weil das nur die Wichtigtuer waren.
Wenn ich mir heute überlege, daß die Anschaffung eines Handys nur eine von mehreren Schweinefirmen bereichert, der Betrieb des Handys erst recht, dann frag ich mich doch, ob es nicht auch einfach ohne geht.
Zum Photographieren hab ich 1 Kamera, zum Mailen 1 Computer und zum telefonieren stehen eigentlich fast überall genug Telefone rum. Zur Not leiht man sich mal eins.
Es gibt Car-Sharing und Leute, die ohne Auto leben und damit viel Geld sparen – warum sollte das bei Handy nicht auch gehen.
Wäre umweltschonend, geldbeutelschonend und würde nicht die falschen unterstützen.
Januar 17th, 2008 at 16:00
[...] eines kaufen werde. Erst Fördergelder abstauben und dann verschwinden! Ob es was nützt, wenn man schreibt? Aber man kanns ja mal [...]
Januar 17th, 2008 at 16:06
Wieder ein neues Wort gelernt: “Subventionsheuschrecken”.
Januar 17th, 2008 at 16:15
hehe, hätten die subventionspolitiker mal weiter subventionen an die dsk gezahlt, die können ihre zechen nicht so einfach einpacken und wegschaffen.
im ernst: wirtschaftsförderung mit subventionen geht offensichtlich nicht, wenn öffentlich/staatlich gezahlt und privatwirtschaftlich verdient und entschieden wird. wie es geht, weiss ich auch nicht, aber so nicht.
noch ‘ne meldung in der waz von heute: neues kohlekraftwerk in datteln. die stahlteile dafür werden z.t. im ruhrgebiet hergestellt (aber auch in ostasien), dann nach schanghai verschifft, dort zu kesselanlagen zusammengebaut und wieder zurück nach datteln. begründung: es gäbe in deutschland kein kraftwerksbauknowhow mehr, oder nicht genug, oder nicht für diese größenordnung. ich kann mich noch gut an die spinner erinnern, die vor zehn/fünfzehn jahren erzählt haben, schwerindustrie sei schmutzig und habe keine zukunft. zukunft hätten kommunikationselektronik, edv und dienstleistungen. hehe. auch die produktionsnahen dienstleistungen verschwinden mit der produktion. übrig bleiben die friseure.
zu den angeblich zu hohen lohnkosten in deutschland: die sind belanglos. wichtig sind die lohnstückkosten. da liegt deutschland ganz gut im rennen.
ich hab mal gelesen, die kosten für die arbeitskraft bemessen sich im wesentlichen an ihren herstellungskosten: lebensmittel, wohnung, ausbildung, bildung, gesundheit. wenn das billiger wird, kann man auch löhne senken. aber warum?
Januar 17th, 2008 at 22:23
…könnte ich doch mehr essen…..
Nokia ist leider nur ein Fall von vielen.
Manager entscheiden nun mal anders als es Unternehmer tun. Dies ist, meiner Meinung nach, einer der Hauptgründe der unmoralischen und unethischen Entscheidungen der diversen “Spitzenleute”.
Genau so unverständlich ist es aber, wenn Mehdorn bei einem Milliardengewinn der Bahn AG die Mehrkosten von – wenn ich mich recht erinnere – 450 Millionen der Lohnerhöhungen für sein Personal von den Passagieren der Bahn kassieren will.
Januar 18th, 2008 at 21:29
Heute zufällig einen sehr hörenswerten Kommentar dazu gefunden, der die Idee des Nokia-Boykotts etwas kritischer beleuchtet: tagesschau.de/…audio12166.html
(via)