Warum Peter Lustig niemals eine deutsche Fluglizenz bekommen würde
Dienstag, 8. Januar 2008 geschrieben von SyberiaHaben Sie schon einmal falsch geparkt und sind deshalb abgeschleppt worden? Sind Sie hundertprozentig sicher, dass keiner Ihrer Kollegen vorbestraft ist? Haben Sie als Schüler an einer Friedensdemonstration teilgenommen oder mal Urlaub auf Kuba oder in Algerien gemacht? Dann ziehen Sie sich warm an, wenn Sie unter diesen verdachterregenden Umständen den Pilotenschein machen möchten :
“Einige Wochen später, Ende Juni 2005, lud mich dann Herr S. von der Luftsicherheitsbehörde Hamburg zum Verhör vor, um Zweifel an meiner Zuverlässigkeit zu diskutieren. (…)
Ich bin 1994(!) auf einer Demonstration kontrolliert worden. Kontrolliert, nicht etwa angezeigt, angeklagt, oder irgendeiner Straftat beschuldigt. Nein, als Teilnehmer registriert.
Desweiteren ist offensichtlich mein Bekanntenkreis durchleuchtet worden. So wurde mir vorgehalten, daß ich von 1999 bis 2002 Gesellschafter einer GmbH für Softwareentwicklung war. In dieser Firma, soll es eine Person gegeben haben, die vorbestraft gewesen sei. Jetzt sollte ich bitte erklären, was ich mit dieser Person zu tun gehabt hatte, und wie es habe sein können, daß man eine solche Person beschäftigt. (…)
Das schlimmste aber ist, daß ich auch ganz aktuell zu politischem Extremismus neige. Wie der Verfassungsschutz weiß, bin ich nämlich „Halter eines Bauwagens“.”
Ich habe ein übles Gefühl, wenn ich daran denke, in welcher Datenbank ich der Veröffentlichung dieses Links wegen landen könnte und dass ich deshalb darüber nachgedacht habe, es lieber zu lassen.

Januar 8th, 2008 at 18:32
Pilotin werden Sie nun nicht. Schade
Ich fürchte, zum Thema fehlen mir die Worte.
Die Gesinnungsprüfung scheint wieder en vogue zu sein. Was für ein Menschenbild steckt dahinter? Baaahhhh!
Januar 8th, 2008 at 22:25
:Ich habe ein übles Gefühl, wenn ich daran denke, in welcher Datenbank
:ich der Veröffentlichung dieses Links wegen landen könnte und dass ich
: deshalb darüber nachgedacht habe, es lieber zu lassen.
Neben der Ungeheuerlichkeit dieser seltsamen Prüfung und dem, was dabei zu tage trat finde ich genau DAS das eigentliche Problem: Wir beginnen, darüber nachzudenken, was wir sagen können. Wo wir es sagen können, ob der Raum, wo wir uns befinden zu öffentlich ist.
Soviel – in doppelter Hinsicht – zum Thema “Ich hab doch nichts zu verbergen”.
Wir wissen – wie im Artikel beschrieben – gar nicht, was andere denken, was wir zu verbergen hätten und wir beginnen, unsere meinung zu verbergen. Gruselig.
Januar 8th, 2008 at 23:44
Aber das ist doch schon länger so – schon seit Jahren muss man doch um seine finanzielle und soziale Existenz bangen, wenn man es wagt öffentlich zu sagen “Karl Ramseier find ich voll doof!”. Da hat die deutsche Justiz mit ihrem tollen Werkzeug der Abmahnung doch Tür und Tor dem Missbrauch geöffnet.
Ich kann mich an einen Fall erinnern, noch im Fido-Net, da wurde jemand vor’s Gericht geschleift, weil er jemand anderen “Arschloch” tituliert hatte (oder so ähnlich). Das Problem: es war in der Frust.ger passiert, einem Echo (das Fido-Äquivalent einer Newsgroup) das explizit dazu da war sich gegenseitig auf’s übelste zu beschimpfen und fertig zu machen. Betreten auf eigene Gefahr.
Da ist diese “Big Brother Gedankenkontrolle” Sache doch nur die logisch fortgedachte Konsequenz. Und ganz ehrlich, wenn ich Artikel wie diesen hier lese, dann muss ich sagen, dass die Regierung im Allgemeinen und der paranoide Rollstuhlfahrer im besonderen es geschafft haben, dass ich vor meiner eigenen Regierung MEHR Angst habe als vor irgendwelchen Terroristen. Womit diese meiner Meinung nach gewonnen haben. Glückwunsch.
Januar 9th, 2008 at 14:47
Babylon System ….
Januar 9th, 2008 at 14:56
Da sieht man, dass man mit der Einstellung “Ich habe nichts zu verbergen, mich kann man ruhig durchsuchen” komplett falsch liegt. Wen jemand einem übel will, wird er schon etwas finden, das man zu verbergen hat. Und schwupps! steckt man in einer Maschinerie, aus der man nicht mehr heraus kommt.
Ich war als Schülerin auch mal auf einer Friedensdemo. Und als Studentin noch mal. Huuuuhuuuu, das wird noch böse enden, wenn das mal einer rausbekommt.