Berlin
Donnerstag, 6. Dezember 2007 geschrieben von SyberiaDas Fazit unserer Berlinreise lautet: naja.
Keine Ahnung, was an Berlin so toll und sexy sein soll. Ich möchte nicht ungerecht sein, denn wir hatten fünf Tage Schmuddelwetter und nur fünf bis sechs Stunden Tages”licht”, aber ich habe vor allem Läden und Einkaufszentren gesehen und Baustellen, auf denen noch mehr Läden und Einkaufszentren entstehen. Wenn dich jemand anspricht oder dir jemand antwortet, den du angesprochen hast, kannst du sicher sein, dass es ein Tourist ist, denn Berliner reden nicht mit Touristen. Ausnahmen: die warmherzigen, netten Garderobieren in der Distel und die entzückende alte Toilettenfrau in einer Pommesbude am Alex – sowie Kellner und Kassierer.
(Da ich Verwandschaft in Berlin habe, bin ich regelmäßig dort, aber das, was das Besondere dieser Stadt ausmachen soll, habe ich noch nicht entdeckt. Falls hier Berliner mitlesen, erklärt es mir bitte, ich möchte es wirklich gern wissen.)

Alles so schön bunt hier.

Weht der Lappen oben drauf, sind die Lumpen unten drin.

Sechs Stunden anstehen im Regen für 30 Minuten Spazierengehen im Ameisenhügel.

Die traurigen Reste des Café Kranzler. Hundert Meter Tortentheke auf drei Stockwerken schrumpften des Mammons wegen auf zehn Tische und zwei kleine Kuchenvitrinen.

Wertheim wirbt mit einer Edelhure.

Wie war das doch gleich mit den Händlern im Tempel?

Geklautes Foto (ich hab’ nix bezahlt).

Der Weihnachtsmann kommt nicht vom Nordpol, sondern aus Grünzburg…

… und der Fudschijama hätte sich das auch Sonie vorgestellt.

Mit dem Knopf im Ohr und dem Walkman in der Hand laufen wir durchs Wi-Wa-Wunderland.

“Eh, brauchst du?”

Mein Kind ist ein Schwammkopf.

Dezember 6th, 2007 at 10:33
Berlin liebt man, hasst man oder es lässt einen kalt…und ich als Berliner hätte mit Ihnen geredet, Frau Syberia
Dezember 6th, 2007 at 11:26
Was happich ein Glück, daß mir Berlin immer von einem neugierigen Zugereisten (kam vor 25 Jahren) präsentiert wird, der sowohl die Touri-Ecken kennt als auch die Ecken, wo Berliner herumlaufen.
Interessant für ihn ist dabei immer wieder, daß viele Ur-Berliner selbst kaum den Blick über den Tellerrand ihres Bezirks wagen und daher nicht soviel in der Stadt herumkommen wie er, der sich erst alles “erarbeiten” musste.
Auf diese Art und Weise habe ich schon viele geschichtlich, architektonisch und landschaftliche interessante Eckchen zu Gesicht bekommen – er ist auch nach so vielen Jahren immer noch neugierig auf die Stadt, in der er wohnt.
Dezember 6th, 2007 at 11:58
Tja, Berlin stinkt, Berlin ist dreckig und laut, überall liegt Hundescheiße und die Berliner sind (vorsichtig ausgedrückt) “gewöhnungsbedürftig”. Aber trotzdem ist es toll hier zu leben! Berlin hat irgendwas, das ich auch nicht näher beschreiben kann. Es ist ein bisschen wie das alte, verschlissene Lieblings-T-Shirt: Es ist kaputt und schmuddelig und ausgeleiert, aber man fühlt sich total wohl darin und denkt nicht dran, es wegzuschmeißen.
Einen schönen Nikolaustag wünscht
Kaddi
Dezember 6th, 2007 at 12:01
Bin gerade auf deine Seite gestossen und muss Dir sagen: Ich war noch nie in Berloin und trotzdem sagen aslle die ich kenne und schon mal da waren, es wäre eine Stadt mit Flair… ??? Kennst du von P.Werner das Lied “Berlin”? Ich glaube das drückt aus, was die ganzen Berlin-Besucher uns Berlin-Nichtbesuchern mitteilen wollen… Viel Spass!
Dezember 6th, 2007 at 12:45
Als Touri würde mir Berlin auch nicht gefallen, kann gar nicht verstehen, was die hier alle wollen.
Aber zum Leben ist es toll hier. Viel Kultur und Nachtleben und so. Viele nette Menschen, immerhin ziehen die ja aus der ganzen Republik hier her, zum Studieren zum Beispiel. Und dank der Armut des Ostens ist Berlin halbwegs ehrlich. Wenn die Menschen dich hier ignorieren oder anpöbeln, kannst du dir wenigstens sicher sein, dass es aus tiefstem Herzen kommt und ehrlich gemeint ist, nicht so wie diese unerträglich aufgesetzte Freundlichkeit, die man beispielsweise in Frankfurt am Main antrifft.
Komm im Sommer nochmal her. Zur Fete de la Musique zum Beispiel. Schau dir die Parks an, geh in einen netten Club oder auf ein Beatsteaks-Konzert oder setz dich abends in eine der tausenden Bars und schau dir die entspannten Leute an. Dann wird dir Berlin sicherlich besser gefallen. Jetzt im Winter ist jede Stadt hässlich. Bestimmt sogar Rom
Dezember 6th, 2007 at 13:31
Ich bin bin Berlin geboren, habe 27 Jahre dort gelebt und jetzt rate mal, warum ich nach Rheinland-Pfalz gezogen bin. Mein Fazit, nachdem ich nach 3 Monaten nochmal wegen dem Umzug hinmusste: Berlin stinkt, Berlin ist grau, die meisten Berliner sind unfreundlich. Sorry an alle Berliner, aber die Landschaft und die Menschen sind mir im Südwesten Deutschlands viel lieber
Dezember 6th, 2007 at 14:34
“Wenn man irgendwo mit einer Straßenkarte steht, kommen die Leute im Ruhrgebiet auf dich zu und sagen „Junge, wo willste hin?“ Mir haben viele Menschen geholfen, als ich nach Bochum gekommen bin. Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt in der Stadt. Es gibt andere Städte in Deutschland – wie München oder Berlin – da funktioniert das nicht. Da sind die Menschen von einem anderen Schlag. Außerdem war es sehr sauber in Bochum. Eine kleine niedliche Stadt.”
Genau so isses.
Dezember 6th, 2007 at 16:10
Immer, wenn Berlinfans versuchen, das Besondere der Stadt herauszustellen, endet das mit der Aussage, Berlin habe Flair. Und das ist ja nun nix Besonderes. Ich bin, zugegeben, kein ausgewiesener Berlinkenner, aber ich war oft genug beruflich wie bespaßlich da und ein Flair, das mich umgehauen hätte, ist mir noch nicht unter gekommen.
Hat zwar nette Ecken, aber man ist eeeeewig unterwegs durch die hässlichen Ecken. Und überall: Shop till you drop. Menschenmassen, die einkaufen nur um einzukaufen, verbreiten kein Flair. Wer Flair will, muss nach Wien. Oder natürlich nach Hamburg
Dezember 6th, 2007 at 17:38
tja frau ingeborch, hätten se mich jetroffn, wüssten se wat an berlin cool un sexy is ;o)
meene lieblingsecken hier machen im winter alladings tatsächlich keen spass – komm’ se doch dit nächste mal im sommer und ick geb paa hinweise ;o)
das schöne an berlin sind: der prenzlberg und kreuzberg, mit ihren kleinen ecken, die schnodderschnauzen und die grosse klappe der leute hier (ja, man muss uns nehmen wie wir sind ;o) die gegensätze von charlottenburg und dem zehlendorfer witwen-schickimick und dann die ein-mann-bratwurststandverkäufer im friedrichshain. und eben, dass man in berlin die ganze welt sehen/treffen/erleben kann. aber ist schon so: man hasst es oder man liebt es und wenn man hier geboren ist, kann man zwar weggehen, aber kommt immer wieder!
Dezember 6th, 2007 at 19:59
Shop till you drop kann ich nur bestätigen (ist das immer so oder nur im Dezember?): über die Bordsteine quellende Menschenmassen, ständig angerempelt werden und überall nerviges Weihnachtsmusikgedudel, grrrrräßlich. Ich verreise nicht, um mir Kaufhäuser und Boutiquen anzusehen.
Meine Mutter will im Sommer nach Berlin, wir eher nicht. Ich denke eher an Südfrankreich, Monaco etc. Prenzlauer Berg wollten wir uns anschauen, sind aber nicht mehr dazu gekommen.
Dezember 6th, 2007 at 21:04
Ich rede immer mit Berlinern – und Sie sind ja selbst schuld. Hätten Sie Bescheid gesagt, hätten wir uns auf einen Kaffee getroffen und ich hätte Ihnen das alles erklärt. Ich bin nämlich gebürtige Berlinerin. Also quasi das, was üblicherweise als Schmetterling mit Nadel auf rotem Samt in Vitrine ausgestellt wird.
Pah!
Dezember 6th, 2007 at 21:58
Ok, nächstes Mal
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Dezember 6th, 2007 at 23:17
Denke, das ist mit Berlin genauso, wie mit Wien: Man muss mindestens 40 Jahre in der Stadt leben, anschliessend ins Umland ziehen, dann mag man die Stadt endlich und spricht auch wieder mit anderen.
Dezember 6th, 2007 at 23:49
Ja, pille, so ist das.
Nichts ich schöner als Wien im Rückspiegel auf der Süd immer kleiner werdend und verschwindend.
Oder am Sonntag Vormittag, wenn nur Hausmeister und Bordsteinschwalben im 1. unterwegs sind, in aller Ruhe die Innere Stadt zu durchstreifen.
Diese sonntägliche, gelassene, Ruhe fehlt Berlin.
Mir war und ist es dort immer zu hektisch.
Dezember 7th, 2007 at 06:08
Also 40 Jahre muss man nicht hier leben um diese Stadt zu leben *lach*. Ich hab vor mehr als 30 Jahren beschlossen, dass ich hier leben will (da war ich noch keine 10 Jahre alt) und bin vor knapp 21 Jahren endlich her gezogen. Freiwillig würde ich diese Stadt auch nie verlassen. Es ist wohl wirklich so: entweder man liebt diese Stadt oder man hasst sie …
Allerdings wundert es mich nicht, dass du wohl fast nur mit Touris gesprochen hast (ich frag mich auch immer was die hier alle wollen, außer anschließend über die Stadt zu meckern – vor allem zu dieser Jahreszeit) – in den “Fotogebieten” tummeln sich mehr Touris als Berliner. die meiden diese Gegenden wohlweislich ….:-)
Dezember 7th, 2007 at 23:38
Hui, in der Kuppel war ich auch!
Seltsam wie sich zeitverschoben die Wege kreuzen
Dezember 8th, 2007 at 14:29
Hui, was für ein Zufall. Sind ja auch nur drei Millionen Besucher pro Jahr in der Kuppel. Nee, bleiben Se doch weg aus Berlin. Touris nerven eh nur. Muss ja auch keiner toll finden (ich find auch nicht alles toll). Klar, die Stadt hat was, aber das erschließt sich wohl vor allem, wenn man 25 (oder jünger) und aus Italien/Argentinien/Barcerona ist.
Dezember 8th, 2007 at 21:58
tja, was gibt es noch zu sagen, was die anderen nicht bereits gesagt hätten?
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als ich im sommer nach etwas über einem jahr leben in münchen zurück nach berlin kam, wusste ich auch nicht so recht, was mich über sieben jahre in dieser stadt gehalten hatte: es ist dreckig, die leute sind viel snobbischer, als man denkt. nie hat man im café seine ruhe, weil alle paar minuten ein motz- oder straßenfeger- oder straßenzeitungsverläufer oder ein straßenmusikant oder jemand der spenden sammelt oder oder oder die wohlverdiente ruhe stört. hier gibt es kein “mia san mia”, hier ist alles “jeder macht seins”.
nach fünf monaten des wieder-hierseins haben wir uns aber wieder gefunden, das berlin und ich. vielleicht liegt es auch an mir, vielleicht habe ich die vielbeschriebenen ruppigen und unfreundlichen und wortkargen berliner schon geknackt oder es fällt mir nicht mehr auf, weil ich es gewohnt bin. als vor zwei wochen besuch aus dem rheinland hier war (und dort sind die leute ja überfreundlich und auch überlustig), haben wir drei tage lang ausschließlich freundliche menschen getroffen: sei es im supermarkt, im museum, im kino, im bus (berliner werden wissen, wie busfahrer im allgemeinen und in berlin im speziellen so drauf sind) auf der straße – sogar in der POST und im ARBEITSAMT – alle waren nett, haben gelächelt und sich gefreut, uns in irgendeiner form helfen zu können. das hat sogar den erftstädter beeindruckt.
ha, ich schweife ab! berlin ist schön, weil die menschen nicht so eklig anbiedernd sind wie im rheinland – berliner muss man knacken, das ist spannend. berlin entwickelt sich ständig weiter, stillstand gibt es nicht. zur weihnachtszeit gibt es die geschmacklosesten blink-blink-dekorationen NUR im osten – am schönsten ist eine platten-tour durch lichtenberg/marzahn/hellersdorf. in berlin gibt es alles (außer carling lager, falls einer weiß wo ich das kriege, bitte melden) immer irgendwo. in berlin schaut einen niemand komisch an, weil man zwei verschiedene schuhe trägt. und weil der winter hier so eklig ist und der wind hier auch immer besonders kalt um die ecken pfeift, sind frühling und sommer doppelt und dreifach schick hier. und auch nach 18 jahren wiedervereinigung hat man die geschichte (und leute die sie erzählen) immer noch vor der haustür.
und es ist billig, billig, billig.
und jetzt reicht’s aber.