Flocki und Fred
Dienstag, 30. Oktober 2007 geschrieben von SyberiaFlocki war ein kleiner, bunter Hund und gehörte einem alten Ehepaar, das auf einem Bauernhof lebte und sich auf die alten Tage aus Gewohnheit ein paar Milchkühe, Hühner und Kaninchen hielt. Flocki ging gerne stiften, eine Angewohnheit, die wir Kinder sehr schätzten, denn dies gab uns die Gelegenheit, ihn zu retten und wieder nach Hause zu bringen, wofür man mit überschwänglichem* Dank, einem Eis, Limonade oder Bonbons belohnt wurde. Die Entlohnung in Naturalien richtete sich nach der jeweiligen Jahreszeit, wobei Limonade nicht sehr beliebt war, da sie in Gläsern mit splitternden Rändern serviert wurde, dafür aber den Zusammenhalt förderte, da man genötigt wurde, das Rentnerpaar abzulenken, während der jeweils derweil andere sein Getränk in die Blumenrabatten gießen konnte.
War Flocki mal brav und blieb im Garten, öffneten wir die Holzpforte und entführten ihn, banden ein Stück Paketschnur an sein Halsband, gingen eine Weile mit ihm spazieren und brachten ihn dann wieder zurück. Gerüchten zufolge soll ein Klassenkamerad meiner Schwester einmal einen Zettel unter die Haustürklinke gesteckt haben: “Wen sie ihren Hunt Floki tot oder lebendig widersehen wollen, dann legen sie acht Eis am Stil hinter die grose Eiche an der Kreuzunk.” Soll aber nicht geklappt haben, die Masche.
An diese Episode wurde ich erinnert, als Herr A. und ich letzte Woche die Nachbarshunde ausführten und dabei einen Rottweiler im Wald auflasen. Weit und breit war kein Mensch zu sehen und das Tier schloss sich freudig unserem Rudel an, wobei sein Augenmerk der Hündin galt, die aber nichts vom ihm wissen wollte. Anleinen lassen wollte er sich zunächst nicht, doch mit der Hundedame als Lockmittel konnte ich ihn ablenken und Herr A. schnappte sich mutig den kräftigen Hund und hakte die Leine ein. Der restliche Spaziergang gestaltete sich dann etwas mühselig, da alle drei Hunde gern in unterschiedliche Richtungen wollten und wir keinen davon ableinen konnten.
Glücklicherweise trug der Rottweiler eine Kennnummer am Halsband, durch die sich der Halter auffinden ließ. Wie sich herausstellte, hatte Fred bereits einen Tag und eine Nacht im Wald verbracht, da er am Morgen des Vortages in einem 30 Kilometer entfernten Nachbardorf ausgerissen war und die Besitzer die Suche aufgegeben hatten. Fred verschmähte die mitgeführten Leckerli, stürzte sich aber aufs Trockenfutter. Er hörte weder auf seinen Namen noch auf “Sitz!” oder “Platz!”. legte aber immerhin aufmerksam den Kopf schief, um heraus zu finden, was man denn von ihm wolle.
Die Wiedersehensfreude, soweit überhaupt vorhanden, wurde auf beiden Seiten äußerst zurückhaltend gezeigt. Fred wedelte höflich ein halbes mal mit dem Schwanz, würdigte den Mann aber keines Blickes. Der Halter bugsierte ihn eher unsanft ins Auto, bedankte sich zwar kurz bei uns, stellte uns jedoch keine einzige Frage. Für Fred wäre kein Lösegeld gezahlt worden, soviel steht mal fest.
*furchtbar, das man das jetzt mit “ä” schreiben muss

Oktober 31st, 2007 at 07:26
Armes Tier
Oktober 31st, 2007 at 09:30
Wir hätten ihn behalten sollen… leider legt die schwarze Katz bei solchen Plänen immer ihr Veto ein.
Oktober 31st, 2007 at 10:29
Gut, einen Rottweiler nimmt man auch nicht mal so nebenbei auf.
Oktober 31st, 2007 at 13:11
Genau, das ist ja schon ein ziemlich großes Tier. Aber er kann einem bei seinem jetzigen Halter wohl leid tun
Oktober 31st, 2007 at 15:19
Hoffentlich fährt der dankbare, passionierte Hundehalter jetzt nicht einfach 30km in die andere Richtung, nimmt dem armen Kerl sein Halsband ab und verdünnisiert sich.
Oktober 31st, 2007 at 19:44
Nee, glaub’ ich nicht. Der war ansonsten sehr gut gepflegt und hatte ‘ne Marke. Vermutlich kümmert sich vor allem die Dame des Hauses um das Tier.
Oktober 31st, 2007 at 20:42
:-/