Sex trotz Katzen
Freitag, 28. September 2007 geschrieben von SyberiaFalls Sie bei dem Titel die Stirn gerunzelt haben, halten Sie sich keine. Denn dann wüssten Sie darüber Bescheid, dass beides schwer zu vereinigende* Dinge sind.
Ich habe zwei davon. Die schwarze Katz hatte ich als niedliches fledermausohriges Etwas aus dem Tierheim geholt, das ich mit dem unumstößlichen Vorhaben betreten hatte, ein älteres Katzenpärchen zu adoptieren, Fellfarbe egal, Hauptsache nicht schwarz. Das gibt schon mal einen Hinweis darauf, wie Katzen so sind.
Als die Katz etwa 12 Wochen alt war, kam ich eines Abends von einer universitären Festivität mit einem Kerl nach Hause. Lederjacke, Dreitagebart und ein Body wie ein Hochleistungsschwimmer. Stellen Sie sich Testosteron pur auf zwei genau richtig behaarten und genau richtig gebräunten Beinen vor. Wir knutschten in meiner Küche rum und entledigten uns dabei diverser Kleidungsstücke, denn es handelte sich um einen warmen Sommertag. Plötzlich kreischte der Typ in einer Tonhöhe los, für die er von Modern Talking mit Begeisterung sofort zum Mitsingen aufgefordert worden wäre und hüpfte wie eine hysterische Ballerina auf Speed auf einem Bein herum. Am anderen Bein hing, knapp unterhalb der Familienjuwelen, das schwarze Babykatz und versuchte sich krampfhaft fest zu halten, um nicht hinunter zu plumpsen.
Nachdem ich das arme Katz von ihm heruntergepflückt, über den Schrecken hinweggetröstet und den Typen davon überzeugt hatte, dass es keineswegs notwendig sei, sofort den Notarzt zu verständigen, war die Stimmung irgendwie flöten. Eins zu Null für die Katz.
Monate später erklärte sich ein (rein zufällig gutaussehender) ehemaliger Arbeitskollege bereit, mir zu Hause meinen PC einzurichten. Danach wollten wir es uns gemütlich machen. In Ermangelung einer Garderobe warf er seine Jacke auf den Küchentisch, krempelte die Ärmel über zwei genau richtig behaarten, genau richtig gebräunten Armen hoch und machte sich ans Werk, derweil ich uns eine Kleinigkeit kochte.
Die Katz hatte sich indessen auf seinem hellgrauen Boss-Jackett gewälzt, um das fremde Ding mit ihrem Geruch zu einem Teil ihres Reviers zu machen. Als er das sah, bekam der Typ einen roten Kopf und verlangte abwechselnd die Bezahlung eines neuen Sakkos bzw. die Begleichung der Kosten für die Reinigung. Dann versuchte er der Katz einen Tritt in die Rippen zu verpassen. Sein Pech war, dass ich besser zielen konnte als er*. Niemand tritt meine Katzen. Tschüss mit üss und Zwei zu Null für die Katz.
Über Silvester nahm ich die Katz mit zu einem Bekannten, aus dem mehr werden sollte, nach Köln, um dort gemeinsam zu feiern. Ich setzte den Korb ab, die Katz guckte raus, tastete mit einem Pfötchen zwecks Überprüfung der Tragfähigheit desselben kurz über den Fußboden, spazierte dann hinaus – und die Tapete hinauf. Wie ich nur sehr wenige Minuten später erfuhr, handelte es sich bei diesem Wandschmuck um eine unersetzlich kostbare Glasfasertapete, vor wenigen Wochen in Handarbeit* und mit Liebe angebracht und sodann in Vollmondnächten von tibetanischen Mönchen mit Pinseln* aus golddurchwirkten heiligem Ziegenhaar gestrichen. Was auch immer diese Tapete gewesen war, sie war vor allem gewesen und das galt auch für das zarte Pflänzchen der angehenden Beziehung. Drei zu Null.
Beim Nächsten war ich schlauer, man traf sich bei ihm. Es sah eine Weile nach einem Drei zu Eins aus, doch irgendwann ließ es sich nicht mehr vermeiden: je mehr Ausflüchte ich erfand, umso dringender wünschte er einmal meine Wohnung zu sehen. Wir verabredeten uns zum Frühstück. Halt: vorher sollte ich noch erwähnen, dass sich die schwarze Babykatz zu einem Minipanther mit respekteinflößenden Waffen ausgewachsen hatte und dabei war, ihren neuen Kumpel, einen flauschigen 7-Kilo-Kater anzulernen. Teamarbeit ist ja wissenschaftlich nachgewiesen effizienter. Die schwarze Katz pisste innerhalb von 15 Minuten in die 250-Mark-Sneaker meines Mackers, der Flauschkatz zerkaute einen USB-Stick, auf dem – und nur auf dem – sich wesentliche Teile seiner Examensarbeit befanden und es wurde nie eindeutig aufgeklärt, wer von beiden ihm in sein 3000-Mark-Laptop kackte. Jawohl, in sein Laptop. Fragen Sie nicht, Sie möchten es nicht wissen. Wir konnten uns nicht einigen, wer blöder ist, derjenige, der wesentliche Teile seiner Examensarbeit ausschließlich auf einem USB-Stick speichert oder derjenige, der sich zwei durchgeknallte Möbelfräsen hält. Wie auch immer, es stand nun Vier zu Null.
Es gab dann lange Zeit nichts. Ich gestatte mir, den Mantel des Schweigens über die Definition von “lange Zeit” zu breiten. Und dann – dann lernte ich Herrn A. kennen.
Anfangs wollte Herr A. nicht so recht kennengelernt werden. Regelmäßig las ich sein Blog und noch regelmäßiger kommentierte ich dort. In Düsseldorf fand ein Bloggertreffen statt, ich fragte Herrn A., ob er nicht auch Lust hätte zu kommen*, doch ich wurde beschieden, es sei zu anstrengend 300 Kilometer zu fahren “nur für ein Frühstück”. Wie aus uns doch noch wir wurden ist eine andere Geschichte, wichtig ist vor allem eins: Herr A. besaß eine unschlagbaren Vorteil, er hatte selbst zwei Teppichtiger. Er liess sich daher zweimal auf den Kopf kotzen, mehrmals in die Hacken zwicken, vom höchsten Punkt des Kratzbaums aus auf den Solarplexus springen, komplett vollhaaren und ungezählte nassgekaute Fellmäuse in die Schuhe legen. Es konnte ihn sogar nur für den Moment abschrecken, als wir einmal, kaum war er durch die Tür, im Bett landeten und unsere nackten Zehen unter der Bettdecke auf noch warme Katzenkotze trafen.
Inzwischen steht es Zig zu Null für Herrn A., beide Katzen haben längst die weisse Fahne geschwenkt und verlangen ständig vom ihm geknuddelt und betüddelt zu werden. Ich wünschte nur, sie würden auch Herrn A. um fünf Uhr morgens zwecks Fütterung wecken, mit diesem Anliegen wenden sie sich bisher bedauerlicherweise ausschließlich an mich.
*Erstaunlich, wieviel Zweideutigkeiten sich unbeabsichtigt in einen komplett harmlosen Beitrag zum Thema Sex einschleichen können.

September 28th, 2007 at 13:29
Ja, man muss immer erst die Katzen für sich gewinnen, dann erst dei Frau anbaggern. (Gilt auch bei Kindern …)
September 28th, 2007 at 14:39
Hm, als alter Freund von Herrn A kann ich die Tiger nur beglückwünschen, haben doch alles richtig gemacht
September 28th, 2007 at 14:57
Soso… ein alter Freund von mir? Who the fuck are you?
September 28th, 2007 at 15:48
Ich hab hier grad Tränen gelacht. Ganz großes Katzenkino, ehrlich.
September 28th, 2007 at 16:22
Nun will ich aber wissen, wie Herr A. und Sie sich kennen gelernt haben.
Ich erwarte eine Fortsetzung oder eine eigene Geschichte. Biddööööööööö!
September 28th, 2007 at 17:47
Ja! Ja, genau. Und überhaupt.
Also ich will sagen: mich hat die Überschrift keineswegs gewundert, nicht eine Sekunde lang. Und ja, ich möchte bitte auch die Kennenlern-Geschichte. (Und ich habe ich nicht gerade auch über das nächtliche Katzenwecken geschrieben?)
Sehr solidarische Grüße, das Miest
September 29th, 2007 at 01:17
oh man, hab ich gelacht, bei der lektüre dieses eintrags!

))
genial, was sich katzen alles einfallen lassen und wie berechnend sie manchmal sind. unglaublich.
freue mich für dich, daß du den richtigen gefunden hast. klasse!
September 29th, 2007 at 08:23
frau ingeborch, sie sprechen mir ausse seele. tauschen sie einfach “ich” gegen “Cecie”, und sie haben die geschichte meines “katzen”lebens (im tierheim angefangen). ich kann sie unbearbeitet mit zu mir ins blog nehmen.
ich finde es absolut beeindruckend, wie katzen sich erst uns und dann den richtigen menschen/mann für uns aussuchen. in ihrer intelligenz und un-diplomatie sind sie einzigartig und absolut beeindruckend… schenkt mir eine arche noah, egal, ich will nur eine (oder mehrere viele ;o) katzen.
September 29th, 2007 at 08:41
Die Kennenlerngeschichte kommt irgendwann. Vielleicht. Mal sehen.
@meinHerzblatt: Das ist doch der T. (und er hat Recht, im Grunde sollten wir den Kratzen dankbar sein). Und bitte nicht diese Ausdrucksweise hier… dafür gibt’s Sternchen… tz.
September 29th, 2007 at 10:20
Ja, ja, so sind sie.
Wie sagen meine Katzen immer: “Sei froh und dankbar bei uns wohnen zu dürfen!”
(Und das bei so kleiner Gegenleistung wie füttern, streicheln und was halt sonst verlangt wird)
September 29th, 2007 at 11:23
die tiere suchen sich schon aus, wer in den haushalt passt. und an den reaktionen der vorbewerber war ja klar ersichtlich, dass auf dauer kein vernünftiges miteinander herausgekommen wäre. die katz hat nur das ausleseverfahrne effizientest abgekürzt, seien sie dem vieh also dankbar, sie hat ihnen sicherlich viel ärger erspart.
man muss es nur von der richtigen seite sehen.
September 29th, 2007 at 11:34
oh, vielen dank – es schleicht sich ab und an mal die sehnsucht ein nach so einem haarigen gerät zuhause, also einer katze jetzt.
da werd ich mir also erstmal so ein anderes haariges gerät zulgene, und wenn das dann nicht reicht, gibts ne katze dazu, jedenfalls nicht umgekehrt…
September 29th, 2007 at 11:41
ohhhh… ne echte Batcat- mehr Ohr als Katze
Ich würde der Katz auch dankbar sein für die Vorauswahl. Katzeninkompatible Kerle sind keine guten Kerle, nie nicht!
September 30th, 2007 at 16:44
Guter Trick! Mit Tieren kommt man schnell an Frauen ran – ich freunde mich auch immer zuerst mit dem Hund, der Katze oder dem Meerschweinchen an. “Och ist dieee süüüüß”
Oktober 1st, 2007 at 08:56
Die Arbeitskollegen gucken mich schon komisch an, weil ich gerade versuche das laute Lachen zu unterdrücken. Besonders bei dem Begriff “Böbelfräse” hat es mich dann etschärft. Klasse geschrieben!
Ich bin ja “nur” auf den Hund gekommen* aber Katzen fetzen auch.
*Erstaunlich, wieviel Zweideutigkeiten sich unbeabsichtigt in einen komplett harmlosen Kommentar zum Thema Sex einschleichen können.
Oktober 10th, 2007 at 14:19
Hallo,
wir sind ein Katzenverein in Hannover mit dem Schwerpunkt Tierschutz; selbstverständlich gehören auch Züchter zu unseren Mitgliedern – ich selbst züchte Norwegische Waldkatzen und fungiere als Schriftführerin des KFND. Zu finden sind wir unter http://www.kfndev.de.
Diese wirklich köstliche Geschichte würde ich gern in unsere Vereinszeitschrift “Katzenblick” (erscheint zwei- bis dreimal jährlich) aufnehmen und erbitte dazu Ihre Genehmigung.
Herzlichst,
Ihre Gabriele Mandel-Gärtner.
Oktober 10th, 2007 at 14:25
Bitte schreiben Sie mir an “ingeborch Klammeraffe gmx Punkt net”.
Oktober 17th, 2007 at 09:33
Habt ihr etwa keinen Typen dazwischen gehabt, der durch die prüfenden Blicke der Katzen vom Kleiderschrank herunter auf das, was da im Bett vorging, irgendwie irritiert war? Jedenfalls so irritiert, dass eben nix mehr da unten* im Bett vor sich ging…
Außerdem nicht zu vergessen: Wenn die Katzen dann nach kurzer Zeit das Bett belegt haben und selbstverständlich zu guter Recht entrüstet sind, dass noch jemand dieses Bett benutzen will – und dass auch noch zu mehr Aktivität als stocksteif auf der dem Mensch verbleibenden Kante zu liegen. Frechheit sowas. Jawoll.
Oktober 19th, 2007 at 11:05
[...] möchte den gefundenen Blogbeitrag auf hackblog.de durch meine provokante Überschrift in keiner Weise in Frage stellen. Im Gegenteil: [...]
November 24th, 2007 at 18:00
[...] YouTube-Video findet ihr in der erweiterten Ansicht dieses Eintrags. Und ausserdem sehr lesenswert: Sex trotz Katzen. Viel Spaß [...]