Ricardo
Donnerstag, 26. Juli 2007 geschrieben von SyberiaHeute abend mit Herrn A. eine Radtour gemacht, da steht vor einem Kiosk ein kleiner, blonder Junge.
Junge: Hallo, wie heisst du?
Ich: Ich heisse Ingeborch – und wie heisst du?
Junge: Ricardo.
Ich: Oh, du hast einen schönen Namen.
Junge: Darf ich was fragen?
Ich: Ok?
Junge: *schüchtern* Kannst du mir vielleicht bitte was zu trinken kaufen?
Ich: Hast du Durst?*
Junge: *nickt hoffnungsvoll*
Ich: Hat deine Mama nichts zu trinken für dich?*
Junge: Mama macht nicht auf.
Ich: Ok, komm mit und such dir was aus…
Im Kiosk hängen mehrere grölende, betrunkene Gestalten herum. Der Junge hat sich einen Orangensaft genommen und weil die Flasche recht klein war, habe ich ihm gleich zwei Stück gekauft. Als wir rausgehen, kommt ein nach Alkohol riechender Mann mit.
Alki: Gib dem Papa mal die Flaschen, der Papa hat auch Durst!
Kioskbesitzerin: Ich tausch’ dir die nicht in Schnaps um!
Alki: Ach komm schon! *zum Jungen* Los, gib her.
Ich: Nix da! Finger weg!
Kioskbesitzerin: Keine Sorge! Ich pass’ schon auf.
Hat sie dann wohl auch, denn ich habe mich am Ende der Strasse noch mal umgedreht, da stand das Kind noch da und trank und der Vater war wieder verschwunden.
*Manchmal neige ich dazu, dämliche Fragen zu stellen, denn welches Kind spricht schon fremde Leute an, wenn es zuhause etwas bekommt. Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, zeige ich Ricardo unsere Klingel, damit er weiss, wo er schellen kann, wenn er mal Hunger oder Durst hat.

Juli 26th, 2007 at 19:46
toll!
ich sag mal danke..
Juli 26th, 2007 at 20:41
Meine Güte, der arme Junge…
Zum Glück hat er sich getraut, jemanden anzusprechen und auf jemanden zu treffen, der ihn erhört.
Juli 26th, 2007 at 21:03
mich macht das fast sprachlos.
und ich überlege, was man mehr tun kann, als ricardo die klingel zu zeigen.
Juli 26th, 2007 at 21:58
anzeigen. jugendamt. man kann nich jedes kind retten, aber man kann was tun. solange jemand anders einspringt, sind leider die meisten der meinung, sie könnten beruhigt wegschauen. also bitte: anzeigen. in solchen fällen darf man auch gerne mal die polizei rufen – wir hatten die diskussion vor nicht allzulanger zeit in einem anderen blog, ähnliche situation.
Juli 27th, 2007 at 11:36
Ich gebe Cecie absolut recht.
Auch wenn es unangenehm ist, sich in anderer Leute Dinge einzumischen… Manchmal muss man einfach was tun.
Die Geschichte macht mich echt traurig!
Juli 27th, 2007 at 12:06
Erschreckend. Ich würde sofort zum Jugendamt an Ihrer Stelle marschieren.
Juli 27th, 2007 at 15:27
Ich finde die Idee, ihm zu zeigen, wo er hingehen kann, wenn er es braucht, erstmal gut. Und bevor ich zum Jugendamt ginge, würde ich wohl zumindest die Kioskbesitzerin mal fragen, ob diese Szenerie öfters vorkommt.
Juli 27th, 2007 at 21:53
Ich bin auch immer wieder entsetzt, wieviele Kinder verwahrlosen, ich selbst hatte vor kurzem morgens auf dem Weg zur Arbeit auch so Geschichte erlebt mit einem kleinen Mädchen – hier zu lesen: http://bergeundmehr.twoday.net/stories/3837302/. (Hoffe, dass das mit dem Link gekappt hat, es ist der Beitrag vom 14 Juni)
Traurig !
Juli 28th, 2007 at 12:56
Die Kinder nur in die Welt setzen, um das Kindergeld am Kiosk zu versaufen, haben die besten Komplizen am Kioskbesitzer. Meinen Sie, die verpetzt ihren besten Kunden?
Juli 28th, 2007 at 15:11
Damit scheren Sie nun aber so ziemlich alle Kioskbesitzer über einen Kamm. Die sind demnach alle gierig, gewissenlos und gleichgültig. Finde ich nicht gerade überzeugend.
Juli 28th, 2007 at 15:48
Bevor ich das Jugendamt informiere, werde ich mich erst umhören. Der erste Eindruck war zwar schlimm, kann aber auch täuschen.