Man glaubt es kaum
Montag, 23. Juli 2007 geschrieben von SyberiaDas LSG Sachsen-Anhalt hat entschieden, dass ein Pauschalsatz von 1100 € für Alleinstehende ausreichend ist, um die für eine geordnete Lebensführung notwendigen Möbel, Hausrat und Haushaltsgeräte anzuschaffen. (…) Dieser Betrag sei nach den Ermittlungen der Richter sogar ausreichend, um sich mit Neuwaren zu versorgen.
Da fragt man sich doch, wo die Herren Richter einkaufen gehen…

Juli 23rd, 2007 at 18:19
neee, Frau I. das fragt Mann sich nich…
Mann fragt sich: Was is ne Erstaustattung?
Juli 23rd, 2007 at 18:49
Herd, Kühlschrank, Spüle, Küchenschrank, Tisch, Stuhl, Geschirr, Geschirrtücher, Töpfe und Pfannen, Teller, Gläser, Tassen, Schüsseln, Besteck, sonstiges Küchengerät, Bett, Lattenrost, Matratze, Decke, Kissen, Bettwäsche, Kleiderschrank, Kleiderbügel, Klamotten, Schuhe, Radio, Fernseher, Waschmaschine, Wäscheständer, Lampen, Teppich, Gardinen, Handtücher, Fahrrad, Telefon, Staubsauger…
Juli 23rd, 2007 at 18:52
Liebe Richter,
bitte erst denken, dann urteilen!
Meine böhmische Urgroßmutter soll gesagt haben:
Wir sind zu arm, um uns was billiges zu leisten.
Juli 23rd, 2007 at 18:55
Als wenn man sich nicht alles gebraucht besorgen könnte oder von Wohlfahrtsorganisationen hinterhergeworfen bekommen würde. Ich habe mal ausrangierte Möbel in die Zeitung gesetzt, gratis abzugeben an Selbstabholer, man glaubt nicht, was solche Leute für Ansprüche haben.
Juli 23rd, 2007 at 19:01
Mir wäre es peinlich, auf Kosten anderer zu leben und dann das Rundumsorglospaket zu verlangen. In welchem anderen Land gibt es so etwas denn noch, wo kriege ich denn eine komplette Erstaustattung vom Staat geschenkt? Je mehr solche Leute bekommen, umso mehr wird gefordert und umso unzufriedener sind Sie. Und wir braven Steuerzahler sind immer die Dummen.
Juli 23rd, 2007 at 19:04
Juli 23rd, 2007 at 19:13
Vielleicht haben “die Herren Richter” es gewagt, sich auf Flohmärkten, Versteigerungen von Zoll und Fundbüros, Haushaltsauflösungen, Kirchengemeinden, Kleiderkammern, Secondhandläden und Discountern umzusehen?!
Juli 23rd, 2007 at 22:21
Neenee, Frau I. Datt isso nich richdich.
Der Richdä issn Mann…un dann is ne Erstaustattung n Kühlschrank, n Sofa, n Fernseher ein Hanntuch und n Duschdas…un wenner Kuultuää had auch noch ne Zahnbüäsde…
da bissu mit 1100 Steinen gans fut dabai, odä?
Juli 24th, 2007 at 00:10
Versuch mal Altgeräte oder Möbel loszuwerden. Kein Bedarf, nirgends.
Juli 24th, 2007 at 13:48
Hihihi, wenn das Ihre Erstausstattung war, sind Sie aber mit 35 von daheim ausgezogen, oder?
(Mit 18 waren das nämlich
- vom Flohmarkt / abgelegt von Verwandten: Kochplatte, Kühlschrank, Spüle, Küchenschrank, Tisch, Stuhl, Geschirr, Geschirrtücher, Töpfe und Pfannen, Teller, Gläser, Tassen, Schüsseln, Besteck, Staubsauger
- aus dem Kinderzimmer: Bett, Lattenrost, Matratze, Decke, Kissen, Bettwäsche, Kleiderschrank, Kleiderbügel, Klamotten, Schuhe, Radio, Lampe, Fahrrad
- gar nicht: Fernseher, Waschmaschine, Wäscheständer, Teppich, Gardinen
- Neuware: Handtücher, Telefon, Bügeleisen)
Vielleicht haben die Richter an ihre Studentenzeit gedacht?
Juli 25th, 2007 at 08:08
Wenn Sie in der Situation sind, das so aus dem Stand raus zu brauchen, haben Sie wahrscheinlich auch keine Freunde, die wohlhabender sind und was abgeben könnten. Sie halten sich keine Zeitung, aus der Sie Gelegenheiten rechtzeitig erfahren. Und haben keine Transportmöglichkeit für die günstigen gebrauchten Möbel, schon zusätzliche ÖPNV-Fahrten sind ein Kostenfaktor. Und die topics 1-27 von frau syberia sind kaum entbehrlich. Sowas gilt nur für junge kerngesunde Menschen mit viel Organisationstalent und intakten Beziehungen. Allein der Marsch mit grossem Bündel in den Waschsalon kann schon ein Problem sein, je nach körperlicher Verfassung. Man lebt aber auch gut ohne Fernseher, Staubsauger, Wäscheständer, Gardinen, Teppich…
Juli 25th, 2007 at 12:44
So gerne ich das Hackblog auch lese und so oft ich auch zustimme – hier widerspreche ich Frau Ingeborch ganz energisch. Und ich hab mir die Mühe gemacht, mal das Geld zu nehmen und einkaufen zu gehen, meine Erstausstattung, funkelnagelneu aus dem Laden (meist IKEA oder große Ketten): 1 224.66 brauche ich, und ich habe NICHTS gebraucht gekauft oder geschenkt bekommen.
STARTBOX PLUS 81,04
UDDEN Miniküche 169,24
Mischbatterie 25,–
2 x JEFF Klappstuhl 12,–
Tisch INGO (zum Essen und arbeiten) 40,–
KIRKENES Kleiderschrank 60,52
EXARBY Bettsofa 89,–
1 Regal HYLLIS f. Küche 7,90
2 Regal HYLLIS f. Wohnzimmer 15,80
Wäscheständer MANGEL 6,66
6 einfache Geschirrtücher IKEA 3,–
6 einfache Handtücher IKEA 12,–
3 einfache Reisstrohlampen IKEA ca. 12,–
über idealo.de:
Staubsauger 21,60
Fahrrad ca 100,–
Waschmaschine ca 400,–
2er Kochplatte 28,90
Kühlschrank ca 125,–
Telefon, einfach 15,–
unnötige Erstausstattung: Fernseher, Gardinen, Teppich, Kleiderbügel, Radio (?)
vermutlich bereits vorhanden: Klamotten, Schuhe, ein Satz Bettwäsche, Kopfkissen und Deckbett, Radio (?)
Juli 25th, 2007 at 13:15
der neid gegenüber Leuten, die nichts haben und etwas vom Staat brauchen, ist manchmal ekelhaft.
zitat:
“unnötige Erstausstattung: Fernseher, Gardinen, Teppich, Kleiderbügel, Radio (?)
vermutlich bereits vorhanden: Klamotten, Schuhe, ein Satz Bettwäsche, Kopfkissen und Deckbett, Radio (?)”
aus dem urteil:
Bezieher von Arbeitslosengeld II erhalten zusätzliche Geldleistungen, wenn sie z.B. nach Haftentlassung oder Wohnungsbrand eine Wohnung mit Möbeln und Hausrat neu ausstatten müssen.
udn nein, nach einem brand hat man oftmals weder klamotten, noch bettwäsche, noch ein deckbett oder ein radio..
menschen gardinen etc. abzusprechen, finde ich unverschämt.
von würde ist da wohl am ende nichts mehr übrig und ich möchte nicht im erdgeschoss wohnen, ohne etwas vor dem fenster zu haben.
immer wieder enttäuscht über solchen sozialneid
maike
meine bescheidene meinung..
Juli 25th, 2007 at 13:59
Der eigentliche War of Terror findet gegen die Armen statt, im ständigen Bestreben, sich von dieser Schicht abgrenzen zu müssen und in der Furcht, aus dem Hamsterrad des Mittelstandes unverschuldet herauszufallen. Man kann über die letzten Jahre SPD-Politik sagen, was man will… es stimmt.
Juli 25th, 2007 at 15:51
@schwarzmaler
Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Für mich liegt die Ursache woanders, nämlich in den Werten und Wertigkeiten der Gesellschaft.
Ist ein Fernseher wirklich notwendig für einen Neustart aus dem Nichts? Machen Kleiderbügel und ein voller Kleiderschrank das eigene Leben “wertvoll”? Wie bereichert mich mein Teppichboden? Welche Würde verschaffen mir ordentliche Gardinen vor dem Fenster?
Für mich ist ein Fernseher absolut überflüssig, ein Objekt der gelenkten Volksverdummung, Informationsgehalt nahe null. Eine Jahreskarte der regionalen Stadtbücherei wäre sinnvoller (da gibts dann auch Zeitungen und Zeitschriften). Warum ist er für andere nahezu lebensnotwendig?
Maike findet eine Wohnung ohne Gardinen würdelos. Warum?
Warum um des Himmels Kleinigkeiten willen müssen Kleider auf Bügeln hängen und können nicht gefaltet weggeräumt werden?
Was macht unsere heutigen Armen wirklich arm? Ich bestreite nicht, daß es eine echte Herausforderung ist, mit Hartz IV zurecht zu kommen.
Trotzdem sind 1100 Euro eine gute und solide Summe, um einen kompletten Notstandshaushalt für einen Single neu zu gründen.
Ein Anfang – nicht mehr, aber keinesfalls weniger.
Juli 25th, 2007 at 16:10
Würde, genau. Werden wir nicht ärmer. wenn wir den Armen das Gelbe unter dem Fingernagel mißgönnen, wenn wir sie zwingen, sich bis aufs Hemd zu entblößen um eine Almose vom Staat zu empfangen, wenn wir ihre Lebensverhältnisse durchleuchten, ihren Kontostand überprüfen, ihren Bedarf hinterfragen. Ihnen wohltätige Spenden als Einkommen anrechnen um den ohnehin lächerlich geringen Betrag von 345 € im Monat zu verringern? Wir sind ein reiches Land, wir waren ein christliches Land, wir könnten ein großzügiges Land sein. Dieses Land wird nicht reicher, in dem es Krieg gegen die Schwächsten führt.
Juli 25th, 2007 at 16:12
Was mich bei der Aufzählung etwas wundert … das Essen wird dann direkt in der Dose auf der Kochplatte erhitzt und mit den bloßen Händen geschaufelt? Ich sehe da nämlich weder Töpfe, Pfannen, Teller, Schüsseln, Besteck noch sonstige Küchenutensilien.
Was die Gardinen angeht – wenn man im 10ten Stock eines Hochhauses wohnt, sicherlich bei weitem nicht so interessant wie wenn man sich eine Erdgeschoss- oder schlimmer noch eine Souterrain-Wohnung nehmen muss, wo jeder, aber auch wirklich JEDER Vorbeikommende in die Fenster glotzt. Liegt in der Natur des Menschen.
Und das führt uns zu den Kleiderbügeln etc. … wenn man sein Leben irgendwie geordnet fortführen möchte, dann braucht man auch entsprechende Kleidung, z.B. für Bewerbungen. Manche Sachen kann man eben nicht sinnvoll gefaltet in den Schrank packen – ein halbwegs ordentliches Jackett will aufgehangen sein, ebenso wie eine ordentliche Dress-Hose… oder haben Sie sich in Badehose und Schmuddel-T-Shirt beworben?
Juli 25th, 2007 at 16:17
danke schwarzmaler..
@majoky
“Ein Anfang – nicht mehr, aber keinesfalls weniger.”
du vergisst glaub ich, dass die leute, die auf dieses geld angewiesen sind, meistens auch danach nicht unbedingt viel haben werden. also bleibt es wohl bei dem anfang..
du möchtest die 400 euro für die waschmaschine weglassen bei dir. okay. was macht man, wenn man in einem ort lebt, wo es keinen waschsalon gibt und man keine nette familie im hintergrund hat, wo man wäsche waschen kann? (und ja, so fälle gibt es, ich habe a) keine familie und lebe b) in einem ort, wo es kein waschcenter gibt) An den fluß gehen?
aber es ist sicher einfacher, bei den armen zu sparen, die wehren sich so schön wenig.
maike
Juli 25th, 2007 at 16:18
hui..
mein arsch ist ganz meiner meinung..oder ich seiner..
*kicher*
sorry, der musste sein
Juli 31st, 2007 at 23:53
“Warum um des Himmels Kleinigkeiten willen müssen Kleider auf Bügeln hängen und können nicht gefaltet weggeräumt werden?”
Weil Kleider dann Knicke bekommen und man darin ungepflegt aussieht? Und man es nicht jedesmal vor dem Tragen schnell noch Bügeln kann. Wäre ja auch Energieverschwendung, jeden Morgen für ein Kleid das Bügeleisen anzuwerfen. Denn die Hartzies zahlen von ihren (inzwischen) 347 Euro Regelsatz auch die Stromrechnung. Gardinen sind übrigens auch in Wohnungen nötig, in denen es keine Rollläden gibt. Was bei Wohnungen, deren Mietpreis allenfalls dem ortsüblichen mittleren Wohnwert entsprechen darf, durchaus vorkommen kann. Monatlich sind übrigens vom Regelsatz 30 Euro zu sparen – falls die Waschmaschine o.Ä. einmal kaputt geht.
August 1st, 2007 at 00:01
Ah, ich sehe gerade, von dem Ansparbetrag ist auch in dieser Pressemitteilung des LSG Sachsen-Anhalt die Rede (Flurgarderobe). Der folgende Satz macht mich allerdings etwas stutzig, denn er dürfte aus dem Beschluss stammen:
“Hat der Betroffene die 1.100 € hingegen für unnötige Anschaffungen wie ein Doppelschlafzimmer, teure Lampen oder besondere Türgriffe ausgegeben, stehe ihm kein weiterer Anspruch auf Geldleistungen zu.”
Das deutet daraufhin, dass da jemand womöglich etwas unvernünftig war (teure Lampen, besondere Türgriffe). Außerdem frage ich mich jetzt aber, ob Singles auf ALG II kein breites Bett – sprich Doppelbett – kaufen dürfen.
August 1st, 2007 at 07:54
Weil bei einem Doppelbett unterstellt wird, dass der/diejenige mit jemandem zusammenlebt, der für Sie aufzukommen hat. Inzwischen liegt die Beweislast das dem nicht so ist nämlich beim Antragsteller.