Brot & Spiele

Mittwoch, 30. Mai 2007 geschrieben von Syberia

‘Herrn Endemol’ interessieren in keinster Weise die Quoten, es geht ihm nur um die gute Sache. Gutmensch, der er ist, möchte er lediglich erreichen, dass mehr Menschen bereit sind, sich als Organspender zur Verfügung stellen. Und wie erreicht man das am besten, wenn man ein Medienmensch ist? Indem man in einer Fernsehshow zeigt, wie eine sterbende Frau sich zwischen drei Kandidaten entscheidet, die nach ihrem Tod ihre lebensrettenden Nieren bekommen sollen.

Das Publikum darf SMS schicken, um die Entscheidung der Frau zu beeinflussen.

Da sitzt dann also eine Sterbenskranke, die sich damit belasten darf, wem sie – und vor allem wem sie nicht – ihre Organe zur Verfügung stellt. Und da sitzen zwei Kandidaten, die vergeblich um ihr Leben kämpfen. Und einer wird da sitzen, der nach der Show auf das Ableben der Spenderin warten wird.

Ich glaube nicht, das auch nur einer der Beteiligten das Studio seelisch unbeschädigt verlassen wird. Ich glaube allerdings auch, dass ‘Herrn Endemol’ dies piepegal ist. Denn die Qoten werden stimmen. Da wette ich drauf.

16 Antworten to “Brot & Spiele”

  1. Barbara Says:

    Klar. Denn es gibt anscheinend immer Menschen, die sich das anschauen. ;-)
    [Konnte ich mir mal gerade nicht verkneifen.]

  2. SeineHeiligkeit Says:

    Solche Sachen werden gezeigt, weil solche Leute wie Sie es anschauen (und sich dann darüber erregen).

  3. Syberia Says:

    Die Sendung wird am Wochenende in den Niederlanden ausgestrahlt. Leider hat es mit der Zeitreise nicht geklappt, aber bis dahin habe ich mir dann natürlich ‘ne Satellitenschüssel angeschafft oder ein Hotelzimmer in Holland gebucht, denn ich muss das unbedingt sehen.

  4. Kefa Says:

    Auch wenn der Spruch schon fast abgedroschen ist:
    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte…

    Ich bereue es keineswegs, seit geraumer Zeit weder Fernseher noch Radio zu haben… Und nach der Lektüre von “1984“, “Schöne neue Welt“, “Methoden der Manipulation” UND solch “schönen” oben genannten Beispielen möchte man diese “Medienmenschen” auch einfach nur noch in einen ordnungsgemäß großen Sack stecken!

  5. Schnuff Says:

    Jetzt ist mir irgendwie übel. Mein Frühstück fällt heute aus…

  6. creezy Says:

    Aba is‘ doch für die gute Sache … weiß gar nicht was ihr habt.

  7. schmerles Says:

    leider gibt es keinen herrn endemol, den man dafür pfählen könnte, sondern nur eine diffuse bande dieses namens.

  8. Sam0815 Says:

    Wenn es nur um eine gute Sache ginge, hätte das Fernsehen da jawohl nichts verloren. Hier wird gezielt mit dem Leid anderer Menschen Kasse gemacht. Aufmerksamkeit für das mit Sicherheit bestehende Problem, dass zu wenig Menschen einen Organspendeausweis haben, erreicht man auch durch weniger Effekthascherei. Das Traurige ist, das 75 % der Bevölkerung die Organspende für sinnvoll und notwendig halten, auf Befragen auch selber spenden würden, aber leider keinen Ausweis haben (keine Zeit…man müßte ja eigentlich….bisher noch nicht dazu gekommen).

    @Seine(Schein)Heiligkeit
    Nur weil man in den Medien auf das Format aufmerksam geworden ist, muß man sich das nicht selbst angesehen haben.

    …dass das niemand sieht, um ein solches Format nicht auch noch zu unterstützen, glaube ich allerdings auch nicht, dazu ist die Sensationsgier bei Vielen leider zu ausgeprägt.

  9. Holden Says:

    Dass es dem Sender um die Quote geht, ist klar. Die Frage wäre, ob die Sache auch was positives haben kann – die Aufmerksamkeit auf die Spenderproblematik zu lenken. Ich denke, möglich wär’s, wahrscheinlich ist’s aber nicht.
    Insofern: Einfach nicht anschauen, vom persönlichen Radarschirm gleich wieder runter.

  10. Henriette Says:

    Mich wundert, warum die Spenderin in spe das Spektakel mitmacht. Sie könnte doch genausogut einen Organspendeausweis ausfüllen und damit Leben retten. Die Endemol-Truppe ist ein ziemlich weitverzweigt/-verwandtes Netzwerk. Und skrupellos sowieso. Ich erwarte zeitnah, dass die eine Show erfinden, in der sich die Zuschauer entscheiden dürfen, wer als nächstes geteert und gefedert wird. Wird bestimmt ein Quotenhammer!

  11. Holden Says:

    Die 2. Niere geht ja in den herkömmlichen Verbund… Ich vermute, so traurig und/oder zynisch das auch sein mag, wenn man das Leben sozusagen in relativer Bedeutungslosigkeit verbracht hat, und es nicht mehr lange dauert, kann eine solche Ablenkung/Herausreißen aus dem quälenden Alltag attraktiv werden.

  12. Schwarzmaler Says:

    Nicht zu fassen. Leider finden sich immer Zuschauer für so etwas. Und sei es, sich hinterher darüber zu empören. Ausschalten und gut ist.

  13. Sanníe Says:

    Ausgerechnet in der taz ein Kommentar, der auch die andere Seite sieht:
    http://www.taz.de/dx/2007/05/31/a0106.1/text

  14. Kristof Says:

    Ja aber!

    “in den Niederlanden warten Bedürftige im Schnitt vier Jahre. Um diese Realität anzuprangern, sind auch drastische Mittel erlaubt.”

    Was ist daran anzuprangern? Gibt es ein Menschenrecht auf Spendernieren? Wo die Organe versagen, ist der Tod der Normalfall. Wo ist der Skandal? Habe ich ein veraltetes Weltbild?

  15. Henriette Says:

    Es wird immer besser! Und ich bin fest davon überzeugt, dass diese http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,486226,00.html Auflösung lediglich eine fallback position war/ist. Falls die Nummer doch nicht so klasse ankommt, wie erhofft…

  16. Gesundheitsblog Says:

    Man kann es auch übertreiben. Einige Themen sollte man imho wesentlich sensibler angehen, auch wenn das ganze ja leicht “entschärft” wurde.