Was du dem geringsten unter deinen Brüdern tuest…

Mittwoch, 22. November 2006 geschrieben von Syberia

Neun Pfarrstellen musste die Kirche in Leipzig einsparen. Einer der Pfarrer, die um ihre Stelle nicht bangen mussten, Christian Führer, schlug seinen Kollegen vor, zwei Jahre lang auf 17 Prozent ihres Gehaltes zu verzichten. Dann hätten die anderen bleiben können. Es ging ihm auch um den Zusammenhalt in der Kirche und um ihre Glaubwürdigkeit.

Die neun Pfarrerstellen gibt es heute nicht mehr. Niemand der anderen war bereit, auf diesen Teil des Gehaltes zu verzichten.

Anmerkung: Ein evangelischer Pfarrer verdient netto etwa 4500 Euro. Zusätzlich wird ihm von der Landeskirche eine mietfreie Dienstwohnung bzw. ein Haus zur Verfügung gestellt.

12 Antworten to “Was du dem geringsten unter deinen Brüdern tuest…”

  1. schmerles Says:

    wie hoch ist eigentlich die durchschnittliche wochenarbeitszeit von einem evang pfarrer? ich kann nicht singen und der zölibat, manchmal dreimal kirche am tag- ich wollte nicht auf den wunsch meiner großtante eingehen und kath priester werden..

  2. schmerles Says:

    aber ich schon gern präservative nach Irland geschmuggelt

  3. ingeborch Says:

    Datt auf dem einzelnenPfarrer am ankommen. Gibt welche, wo sich richtig reinhängen und solche, die wo sich 1 Lenz machen. Fast so wie in richtigen Leben, ausser datt man in andere Jopps dann fliegen tut.

  4. Schwarzmaler Says:

    Wer werfe den ersten Stein…

  5. pathologe Says:

    Na, die fliegen dann auch irgendwann mal. Zu ihrem Auftraggeber. Last Flight.

  6. Henriette Says:

    @pathologe: ja, aber so wie’s aussieht, fliegen die am Ende zumindest Business Class….

  7. haekelschwein Says:

    Sowas ist dann wohl psychologische Kriegsführung durch Schuldumverteilung:

    Nicht mehr der Arbeitgeber ist Schuld an den Entlassungen, sondern die Kollegen, die ja schließlich auf einen Teil ihres Gehaltes hätten verzichten können.

    Gut, dass sich keiner darauf einließ: Wehret den Anfängen!

  8. ingeborch Says:

    Nee. Um Schuld geht es hier nicht. Es geht um die Bereitschaft zu teilen.

  9. Macsico Says:

    Es ging um Zusammenhalt und um Glaubwürdigkeit bei dem Vorschlag, die Gehälter umzuverteilen. Hat aber nicht geklappt. Nix ist mit Glaubwürdigkeit und Zusammenhalt.

    Brauche ich gar nicht mehr meine Abneigung gegen staatsfinanzierte Amtskirchen selbst begründen. Die beste Begründung haben die damaligen Akteure ja selbst geliefert, was ich von ihnen halten soll …

  10. Noga Says:

    Vor ein paar Jahren hätte ich das Verhalten dieser Pfarrer/innen auch verurteilt. Aber vor einigen Jahren sind zwei befreundete Pfarrerinnen früher in den Ruhestand gegangen. Ihnen und anderen ist versprochen worden, dass von dem eingesparten Geld junge Theologen eingestellt würden.

    Es ist kein einziger eingestellt worden. Auf Nachfrage der beiden und von anderen bekamen sie von der Kirchenleitung die Antwort, daß schon vorher klar war, daß das eingesparte Geld für andere Zwecke gebraucht und verwendet werden würde.

    Von daher verstehe ich, wenn Pfarrer sich auf solche Zusagen nicht einlassen.

  11. ingeborch Says:

    Unglaublich, was die Schäfchen alles hinnehmen. (Und manchmal bewegen sie sich doch: vor einigen Jahren sollte in einer Ruhrgebietsstadt ein Pfarrer zunächst versetzt und dann entlassen werden, weil er kein Geheimnis daraus machte, schwul zu sein. Die nicht gerade kleine Gemeinde hat dem Superintendenten mit kollektivem Austritt aus der Kirche gedroht. Der schwule Pfarrer ist heute noch im Amt und leistet weiter hervorragende Arbeit.)

  12. ansch Says:

    Also, das mit dem TEILEN finde ich eigentlich gut. Schade, dass das nicht generell ein Thema ist – egal wo ich hinschau, es gibt sehr gut bezahlte Menschen für verhältnismäßig einfache Arbeit mit vielen Pausen, Teamsitzungen, Plauderstunden etc – und es gibt ganz viele arbeitswillige Menschen, die ihre wertvolle Zeit mit erniedrigendem Anstehen an nach OberA…L… Hartz benannten Instituten verbringen, um dann gnädig irgend ein fragwürdiges “das-steht-Ihnen-zu”-Sümmchen abzuholen. Die Staatsform “Teilen” hat aber in der Vergangenheit bereits nicht geklappt, weil es immer ein paar A…L… gibt, die NOCH egoistischer sind, als die Menge. Dabei zeigt der Pfarrer, der diese Idee wieder hervorholte, doch, dass es immer einige wenige gibt, die TEILEN würden. Ich selbst frage mich in solchen Situationen, was ich wohl täte?