Sonntagsausflug
Montag, 13. März 2006 geschrieben von SyberiaDa hier unten die Schneemassen bereits geschmolzen sind (@ Semmel: nänänä-nänä-näää!) zog es uns auf den Feldberg. Das heißt, unser Freund ließ sich von seinem Hund hochziehen, wir anderen mussten den Berg ohne Hilfe hochstapfen. Für diese schweißtreibende körperliche Hochleistung wurden wir mit einem Blick auf den häßlichsten Fernsehturm der Welt belohnt, ausserdem fand ein Schlittenhunderennen statt und man konnte sich jede Menge Huskies angucken. (Später erfuhren wir, dass wir den Berg auf der Schlittenhunderennstrecke erklommen hatten. Noch mal Glück gehabt.)
Hochlaufen sollte sich im Nachhinein noch als überaus entspannend erweisen, runter hingegen weniger. Herr A. kam auf die famose Idee *ironisches Lächeln und vielsagendes Heben der Augenbraue* eine malerische Abkürzung quer durch den Wald zu nehmen. Nachdem ich dann vier- bis fünfmal bis zum Kinn im Schnee eingesunken war, beschloss ich den Rest des Weges mehr oder weniger freiwillig auf dem Hosenboden zurück zu legen.
Nicht nachmachen. Eine nasse Jeans ist nicht wirklich angenehm, wenn man dann später mit 50 Kilo Hund auf dem Schoß im Auto sitzt.
Leider hatten wir unsere Kamera zuhause vergessen und die Akkus der Kamera unserer Freunde mochten die Kälte nicht, deshalb gibt es keine Fotos von
- Herrn A., wie er plötzlich bis zur Taille im Schnee versinkt
- dem Hund, wie er possierlich mit anderen Hunden im Schnee tollt und sie dabei zahlreiche Kinder über den Haufen rennen
- den zahlreichen Kitschandenken der Kioske, die uns an Jungschartage und Klassenausflüge erinnerten (Plättchen, die man auf seinen Wanderstock nageln kann, kleine Porzellantierchen, Anhänger für Bettelarmbänder, Aschenbecher in Igelform etc.)
und
- etlichen merkwürdigen Schildern (“Achtung! Eiszapfen! Direkt über Ihnen!”).

März 13th, 2006 at 13:42
Regel Nr. 1: wenn man mit Männern in der Landschaft rumläuft NIE NIE NIE die malerische Abkürzung nehmen. Die geht durch Sümpfe und Urwälder, Hügel hinauf und hinunter gegen die die Eiger Nordwand ein Kinderspielplatz ist und dauert in der Regel 2-3 Tage, man muss im Wald übernachten, sich mit Blättern zudecken und Regenwürmer essen, bis man gerettet wird. Denn Männer nehmen weder eine Karte noch einen Kompass mit, sondern orientieren sich am Kreuz des Südens bei Nacht und am Sonnenstand an wolkenverhangenen Tagen.
März 13th, 2006 at 14:58
Na und? Wir sehen wenigstens was von der Landschaft, weil wir nicht ständig die Nase in den Reiseführer stecken, um zu jedem Zeitpunkt exakt zu wissen, an welcher Straßenecke, an welchem Baum wir uns gerade befinden. So kennen wir doch unsere Damen: Da wird kein Schritt gemacht, ohne sich vorher vom Herrn Baedeker die Erlaubnis zu holen.
Aufgemerkt: Wir sind hier in Mitteleuropa, da darf man sich auch mal gefahrlos verlaufen.
März 13th, 2006 at 17:48
Überleben in der Wildnis, Kapitel 1: Essbar sind alle Süßwasserfische, alle Vögel und Vogeleier (auch bebrütete), Schnecken, Eidechsen, Larven, Maden, größere Insekten wie Grashüpfer (unbedingt Kopf, Füße und Flügel entfernen), Grassamen (ausser die mit schwarzen Punkten), die Bastschicht vieler Bäume, Tang, Algen, Nüsse, Pilze und Beeren (Achtung, gibt viele giftige).
PS: Wir warten dann solange bei Kaffe und Kuchen im Café auf euch.
März 13th, 2006 at 21:52
Vögel nur im äußersten Notfall konsumieren!
März 14th, 2006 at 09:53
“Wir warten dann solange bei Kaffe und Kuchen im Café auf euch.”
Ich fürchte nur, dass, wenn wir zwei Stunden später dort ankommen, ihr euch immer noch nicht entschieden habt, was ihr bestellen wollt (is ja auch schwierig).
März 14th, 2006 at 10:21
Da ham Sie jezz den Finger in eine Wunde, Herr ichichich. Wie ich nämlich mal in Berlin beim Kaffee Kranzler gewesen war, hatten die eine zirka 100 Meter lange Kuchentheke mit erlesenste Bäckereierzeugnisse gehabt. Konntich mich nich entscheiden und die andren haben dann gedrängelt, datt ich endlich voran machen sollte, da habbich dann schnell ein Stück Käsekuchen. Käsekuchen. Bei Kaffe Kranzler. Ordinären Käsekuchen, wo man an jede Ecke kricht. 1 traumatisches Erlebnis, ich sach Ihn.
März 14th, 2006 at 15:24
Mein Mann ist derart orientierungslos (“äh, sind wir von links oder von rechts gekommen?”), dass ich jederzeit die volle Kontrolle über Routen und Wege habe. Wildnis ist bei ihm alles, was nicht durch eine Teerdecke versiegelt wurde.
Nur ein einziges Mal wagte er, mir auf einer Wanderung in superwilden Südengland zu widersprechen – und hatte Recht!
(Ich lasse nächstens seinen Chromosomensatz überprüfen.)
März 16th, 2006 at 08:39
890 Meter sind schon ein viel. Kein Wunder, dass der dicke Sch. im Winter immer zu spät zur Arbeit nach FF(M) kommt.