Achtung, bissige Patientin
Dienstag, 21. Februar 2006 geschrieben von SyberiaAls Kleinkind habe ich den Familienzahnarzt gebissen, dafür schämt meine Mutter sich heute noch vor dessen Witwe. Daran musste ich denken, als ich heute morgen schwer in Versuchung war, den Arzt kräftig vors Schienbein zu treten, der meinen Rücken untersuchte und dabei ständig auf der höllisch schmerzenden Stelle herumdrückte (“Da tut’s weh, gell? Da nicht, oder? Nein, da nicht. Aber da! Oh ja, da tut’ s weh! Und wie das da weh tut. Genau da, oder?”). Herrgott, wir hatten bereits beim ersten Drücken geklärt, dass es dort weh tat. Und wie es da weh tat!
Im Ernst, ich muss mich in solchen Situationen arg am Riemen reissen, um nicht handgreiflich zu werden. Es ist mir peinlich, denn ich bin kein Rabauke, war als Jugendliche auf ganz vielen Friedensdemos und mache auf meine Mitmenschen im Allgemeinen einen freundlichen und friedfertigen Eindruck. Doch, wirklich.
Anschließend jagte er mir noch einige Spritzen in den Muskel und drückte weiter darauf herum, um “den Wirkstoff zu verteilen”. Mir stiegen die Tränen in die Augen und ich hätte ihm jedes Haar einzeln ausreissen mögen, inklusive denen, die aus seinen Nasenlöchern ragten. Stattdessen habe ich mich damit begnügt, mir auf der Rückfahrt fiese Todesarten für ihn aus zu denken. Der Mann ahnt ja gar nicht, was für ein Glück er hatte.
Der Familienzahnarzt starb übrigens hochbetagt an Altersschwäche, ich hatte nichts damit zu tun.

Februar 21st, 2006 at 14:32
„Ihr habt gehört, dass gesagt ist ´Auge um Auge, Zahn um Zahn`. Ich aber sage euch … ´Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dem biete die andere auch dar`.”
Februar 22nd, 2006 at 09:15
Alles klar soweit. Nur mit dem “am Riemen reißen” , das versteh ich nicht ganz, wie das gehen soll?