Abwägen
Mittwoch, 28. Dezember 2005 geschrieben von SyberiaDinge, die ich nicht vermisse:
Das allmorgendliche Gekeife der Nachbarin von nebenan.
Das allmorgendliche Gequengel der Kinder von nebenan, unten und oben.
Das vormittägliche Gekreisch der fünf Tageskinder, die gebracht werden.
Das mittägliche Gehkreisch der fünf Tageskinder, die abgeholt werden.
Das mittägliche Gekeife der Nachbarin von nebenan.
Das nachmittägliche Getrampel, wenn die Blagen durchs Treppenhaus zwischen den Wohnungen hin und her stampfen.
Das Ganztagstüreknallen. (Keine Ahnung, wofür manche Leute Türklinken besitzen. Vielleicht sehen sie sich die Dinger von Zeit zu Zeit an und erfreuen sich an der Form.)
Die regelmäßig auf physischer Ebene ausgetragenden Konflikte von Nachbar X (wir sind uns nicht sicher, wer wen verprügelt).
Das Bufftatata-Bufftatata der vor der Eisdiele und Pizzeria cruisenden Bollos.
Rasen mähen und Blätter harken.
Dinge, die ich vermisse:
Alle Nachbarn zu kennen (samt ausführlichem Lebenslauf und Familiengeheimnissen) und zu duzen.
Unser olympiagroßes Hallenbad.
Läden, Restaurants, Cafés und Kneipen, die ich seit zwanzig Jahren kenne.
Die vielen Kinos (allein die VIER Programmkinos!).
Das Schauspielhaus und die Eve Bar, das Tucholsky, die Osteria, den Blauen Engel, das Konkret, das Mandragora…
Meinen Bioladen.
Unseren Park.
Die anderen Parks.
Die Ruhr.
Meine wunderschöne, helle Altbauwohnung mit den großen, geschnitzten Holztüren, dem Buchenfußboden, dem langen Katzenrennstreckenflur, den Nischen und Ecken und hohen Decken und… hach.
Zu wissen, wo alles ist.
Alles Wichtige und Unwichtige in Laufnähe zu haben.
Sich in der Stadt auszukennen.
Zu wissen, welche Autobahn welche Städte verbindet.
Die Katzen der umliegenden Nachbarn, die durch unseren Garten streunten und uns höflich begrüßen, wenn wir uns begegneten. Den braungestreiften Kater, der immer höflich vor der Tür des Metzgers auf seine Halterin wartete, wenn diese dort (auch für ihn) etwas holte.
Ruhrpottdeutsch!
Alles in allem haben wir es gar nicht so schlecht getroffen, wie Herr A. vorgestern ganz richtig feststellte.

Dezember 28th, 2005 at 13:51
wie haben sie sich denn nun etabliert? berichten sie doch wenigstens ein wenig. das, was ihnen nicht fehlt, ist ja mal ein guter anfang. einen teil der (noch) fehlenden dinge werden sie schnell aufgeholt haben. und der rest kommt auch.
Dezember 28th, 2005 at 14:04
Gemach, gemach, in 20 Jahren kennen Sie auch die jetzt noch neue und fremde Umgebung!
Dezember 28th, 2005 at 14:07
Überraschend gut. (Bisher. Vielleicht kommt da ja noch was.) Man muss weiter laufen fürs Einkaufen etc., aber das ist ja gesund. Herr A. und ich haben etliche Schrammen und blaue Flecken von diversen im Weg stehenden Möbelstücken und wo die Lichtschalter sind, muss ich nächtens noch tastend erinnern. Die Wohnung hat Teppichboden und Fußbodenheizung, das mögen die Katzen. (Einen ersten “Unfall” konnte ich gerade noch abwenden, indem ich eine bereits würgende Katze schnappte und in die Küche trug. Die ist nämlich gefliest.)
DEmnächst gibt es auch Bilder. Meine Kamera habe ich wieder, dafür ist Herrn A. das Ladekabel abhanden gekommen. Dauert also noch ein bisschen. Seufz.
Dezember 28th, 2005 at 14:08
Stimmt, denn in 20 Jahren wohnen wir wieder im Pott
Dezember 28th, 2005 at 17:21
Freiwillig? ….duck und weg….;-)
Dezember 29th, 2005 at 07:13
Das wird schon noch. Ihnen und Herrn A. wünsche ich alles Gute auf allen neuen Wegen. Nach ein paar Wochen können Sie vielleicht schon eine ausgiebige “Was-mir-hier-gefällt-Liste” erstellen.
… Aber das Ins-Gesicht-Ruhrpottdeutsch fehlt mir auch sehr.