Wenn einer eine Wohnung sucht

Freitag, 25. November 2005 geschrieben von Syberia

… dann kann er was erleben. Vier Tage Sucherei in Frankfurt, sechsundzwanzig Wohnungen besichtigt.

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1. Tag: Die erste Maklerin residiert unter einer anderen Adresse als angegeben – und von unserem Termin weiss sie nichts. Die zweite treffen wir nicht an, trotz dreimaligen Hinterhertelefonierens und ausgiebigen Klingelns. Bisschen herumgelaufen und die Gegend angeschaut.

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2. Tag. Einige schöne Wohnungen gesehen, doch die Preise bewegten sich jenseits von Gut und Böse. Achtzig Quadratmeter sollen fast zweihunderttausend Euro kosten. Andere Objekte sind entweder fade geschnitten, haben so viele Dachschrägen, dass Herr A. sich mit seinen 1,96 Meter in der oberen Etage nur seitwärts bewegen hätte können oder sie waren schlicht häßlich (kreischgrüne Kacheln in Bad und Gäste-WC zu schlammfarbenem Sanitär, wer tut so etwas?) Abends äußerst frustiert auf dem Sofa von der Mutter von Herrn A. gesessen und gejammert.

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3. Tag. Die nicht anwesend gewesene Maklerin vom ersten Tag ruft an und beschwert sich, wir und andere Kunden hätten sie ja leider versetzt. Jetzt sei die wunderschöne Wohnung, die genau unser Fall gewesen wäre, bedauerlicherweise schon vergeben. Täte ihr unglaublich leid. Ein Makler zeigt uns eine schöne Wohnung in Fußnähe des Arbeitsplatzes von Herrn A., aber: vierspurige Strasse direkt vor dem Haus, nebenan eine Kneipe mit riesigem Biergarten und die Besitzerin eines Sonnenstudios erzählt uns, die Mieter dieses Hauses würden immer nur kurze Zeit dort wohnen. Zu viele Abgase, zu laut, zu teuer.

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4. Tag. Zwei nette Wohnungen, doch die Eigentümer wohnen im Haus. Einer züchtet Bienen unter dem Balkon, der andere meint, die Fenster wären undicht, doch er wolle das nicht reparieren, denn so sei doch wenigstens die Frischluftzufuhr garantiert. Eine andere Wohnung befindet sich in einem Hochhaus mit über hundert Klingelschildern, auf denen nur wenige deutsche Namen zu finden sind. Einer der deutschen Namen kommt uns im Flur entgegen, Mafiasonnenbrille, Rottweiler, grimmiger Gesichtsausdruck, ein schmuddeliges Muskelshirt spannt sich über Täler und Wellen, die ihre Existenz Steroiden verdanken. Von fast allen Zimmern hat man einen hübschen Blick auf den weitläufigen, grauen Parkplatz.

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Keine Lust und keine Energie mehr aufbringen können, die beiden letzten Termine abgesagt und nach Hause gefahren. Dort übermüdet ins Bett gesunken und seltsame Träume von seltsamen Häusern gehabt.

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Unter Altbauwohnungen versteht man in Frankfurt übrigens Wohnungen aus den sechziger und siebziger Jahren.

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18 Antworten to “Wenn einer eine Wohnung sucht”

  1. Kristof Says:

    Ja, frustrierend, kenn ich. Habe damals Frankfurt selbst nach einigen Besichtigungen komplett abgeschrieben.

  2. Syberia Says:

    Wir suchen jetzt auch außerhalb, haben dann aber die Fahrerei morgens und abends und das auf einer ausgewiesenen Staustrecke.

  3. somlu Says:

    Falsch, vielleicht halten Makler solche Wohnungen für Altbauten, Frankfurter nicht. Mieten sind in Frankfurt grundsätzlich sehr hoch, auch wenn es mir immer wieder niemand glauben mag, der meint schon in seiner Stadt wären die Mieten hoch. Eine Möglichkeit wäre nach Offenbach zu ziehen, dort gibt es einigermaßen bezahlbare Wohnungen. Höchst wäre auch eine Möglichkeit, alle in der Nähe und gut erreichbar auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Stadtteile, tja, die üblichen Verdächtigen sind teuer, das Gallus wird sich noch sehr verändern und hat einige nette Straßenzüge mit schönen Altbauten (rund um die “Schwalbacher Straße), war auf Grund des miesen Rufes auch immer nicht so teuer. Viel Glück

  4. Kristof Says:

    Darmstadt?

  5. Syberia Says:

    @somlu: Danke. Offenbach ist ein bisschen zu weit weg vom Schuss.

    @Kristof: Wir schauen uns was in Okriftel (Oberkriftel?) an. Ist ein kleines Kaff ca. 10 Autobahnminuten von FfM entfernt.

  6. Kristof Says:

    “Okriftel”: http://www.ger4881.de/t_okriftel/page001.html

  7. Holden Says:

    Was habt ihr denn für eine PBLPR? (pair body length proportion ratio) Meinerseits: 1,11

  8. mein arsch Says:

    1,225

  9. Syberia Says:

    @Kristof: Ui, es gibt einen Reitweg…

    @Holden: Oha, hat sich etwas getan? :-)

  10. Kristof Says:

    Und eine Fabrikruine!!!

  11. novala Says:

    Ach hier steckter – der Herr Holden, mein ich. Und ich sorg mich …

  12. novala Says:

    Man muss sich ja Sorgen machen. Verschimmelt womöglich schon im Wein&Co.

  13. jean luc Says:

    Ja ziehen Sie da hin, wo Frankfurts Vermieter wohnen, kurz vorm Taunus.
    Ich kam da ja nicht recht zurecht.

    Die Leute pendeln da bis 100 km zur Arbeit hin und her. Das ist da überall teuer. Und was will man mit einer Eigentumswohnung im Umland, wo man Pendelverkehr mitkauft. Alle bekloppt da.

  14. jean luc Says:

    Im Fernseher war mal so Autobahnpolizei, wo die sagten, da pendeln auch Leute von Bochum nach Frankfurt zur Arbeit, jeden Tag anscheindend.

  15. Syberia Says:

    Du liebe Güte. Von den Spritkosten mal ganz abgesehen, die die preiswertere Wohnung dann wieder aufwiegen: es ist schade um die Lebenszeit, die man dann auf der Autobahn verplempert. Nee, danke.

  16. schmerles Says:

    Der Herr Holden hat immer noch Panik vor seiner selbstprofezeiten Hühnergrippe

  17. Klabauter Says:

    Jibbt et in Hessen Wohnungsgenossenschaften? Kann ich nur empfehlen!

  18. ingeborch Says:

    Die Wohnungen von denen, wo in Frage kamen, waren alle ohne Heizung gewesen.