Was für ein Scheiß!

Donnerstag, 28. April 2005 geschrieben von Syberia

 

Entschuldigung, aber genau das ist es. Wenn Thomas Dennemann Shakespeare inszeniert erinnert das an Dewey, den kleinen Bruder von Malcolm in the Middle, bei dessen Aufführung zu Thanksgiving. Discomusik und Elfen in lila Paillettenhemdchen, die dazu strippen und Geldscheine in die Slips gesteckt bekommen, nun gut. Titania, die als Domina mit einem riesigen Plastikdildo kreischend auf einen Bartresen einschlägt, ist nicht schockierend, sondern einfach nur doof – ebenso Lysander, der auf Hermia pinkelt, die kotzend über einer Kloschüssel hängt. Was soll das? Wie platt ist es, Lysander und Demetrius in Einkaufswagen einer Discount-Supermarktkette hocken und sich gegenseitig mit Popcorn bewerfen zu lassen, um die Kommerzialität moderner Sexualität in Szene zu setzen?

 

Als Puck dann mit einer tuckigen Schrillheit, die Glasbausteinbrillengläser zum Zerspringen bringen könnte, einen Rosenverkäufer (haha, wie lustig!) mimte, durchwallten längst Aggressionshormone mein Blut, denn viel hätte nicht gefehlt und ich hätte gerufen: “Herrgott nochmal, halt die Klappe da unten!”. Und ich hätte nicht Klappe gesagt. Aber so etwas tut man ja nicht, genauso wenig wie vor der Pause aufstehen und gehen - vor allem, wenn man mittig sitzt, auf Rücksicht auf die anderen Zuschauer. Heute schon.

4 Antworten to “Was für ein Scheiß!”

  1. semmel Says:

    der taz hat es scheinbar gefallen: http://www.taz.de/pt/2005/04/18/a0037.nf/text.ges,1
    was gehst du denn auch in solche veranstaltungen?

  2. syberia Says:

    Ich wünschte gestern, jemand wäre beherzt aufgesprungen und Titania an die Gurgel gegangen, auf dass ihr Gekreisdch und Gequietsche zu einem letzten Schrei verstummt wären. Nee, Nee, das Ganze war einfach nur hochnotpeinlich. Wir waren beileibe nicht die einzigen, die früh (nach anderthalb Stunden *stöhn* ) gegangen sind. Keiner von uns hatte silbergraue Haare (da steh’ ich ja drauf) oder Asthma. Nur eine leicht grünliche Gesichtsfarbe.

    “..zum Piepen”, liebe TAZ? Ja, wer über “Booochum! Zweite Liiiga!”-Gegröhle und einen Puck lachen kann, der beim Ertönen der Rezeptionsklingel ans Telefon geht, den Hörer abnimmt, hineinspricht und erst dann Titania vor sich stehen sieht und peinlich berührt erschrickt, der hat zuhause sicher eine Didi-Hallervorden-Video-Sammlung und den “Ballermann”-Film im Wandschrank Eiche rustikal stehen.

  3. Daniel Says:

    Manchmal ist es Kunst – manchmal nur eine Schande.
    Oder ist der avangardistische Sommernachtstraum im Moment der letzte Schrei? *grusel*
    Hoffentlich nicht.

  4. ntropie Says:

    Haha, Theater. Echt jetzt, Theater ist doch schon sehr lange (un)tot. Ist aber manchmal noch amüsant anzusehen, wie so Verbildungsbürger-Regisseure ganz lässig 150 Jahre hinter dem Zeitgeist hinterherschlurfen.