Rums!

Freitag, 22. April 2005 geschrieben von Syberia

 

Vor zwei Jahren schmiss mir ein Herbststurm Dachziegel aufs Auto. Der neben meinem parkende Wagen hatte einen Totalschaden, meiner war noch zu retten – für ca. 6000 €. Nach zähem, langjährigem Hin&Her zahlte die Gebäudehaftpflichtversicherung des betreffenden Hauseigentümers den Schaden.

 

Letzten Freitag Mittag warf ein benachbarter Mieter bei Verschönerungsarbeiten seines Balkons versehentlich ein Kanteisen auf mein Gefährt. Windschutzscheibe kaputt, Beulen in und dicke Kratzer auf Motorhaube, Dachträger, Kotflügel. Ich wusste ja schon, wie es geht: Gutachter, Werkstatt, Telefonate, Briefe, Rechtsanwalt. Weil die Windschutzscheibe beheizbar ist, kostete der Spass, sie zu ersetzen, fast 700 € (nein, das Ding ist nicht echtblattgoldvergoldet).

 

Der Rechtsanwalt  teilte mir nun mit, dass es sehr unwahrscheinlich sein dürfte, dass wir die Kosten (insgesamt diesmal “nur” knapp 1600 €) erstattet bekämen. Der Verursacher des Schadens sei ein arbeitslos gemeldeter Pole ohne Haftpflichtversicherung (zumindest weigert er sich, diese zu nennen), der schwarz arbeiten gehe. Wir waren kurz in seiner Wohnung, die ist schick eingerichtet mit nagelneuen Möbeln – und das unterhaltungselektronische Equipment ist ebenfalls vom Feinsten. Er ist nicht der Meinung, zahlen zu müssen und lässt es darauf ankommen. 

 

Nun könne man ihn laut Anwalt mit der Drohung unter Druck setzen, ihn den zuständigen Ämtern zu melden. Dazu müsse man jedoch einen Privatdetektiv engagieren, der oben genannte Vorwürfe beweist. Die Kosten dafür liegen bei ca. 2000-3000 €. Anschliessend müsste man ankündigen, ihn anzuschwärzen, wenn er den Schaden nicht begleiche.

 

Ich weiss, wir haben einen Anspruch auf Erstattung der Kosten, aber irgendwie ist das alles nicht mein Ding.

 

PS: Allen, die in unserer Gegend zu Fuss und unbehelmt unterwegs sind, rufe ich ein warnendes “Obacht!” entgegen. Irgendwann trifft es nicht mehr nur Blech, sondern Mensch und/oder Tier. Im letzten Winter knallte mir in einer Seitenstrasse eine Dachantenne vor die Füsse. Zum Glück wurde nur eine Gehwegplatte gespalten. Weshalb sollte man das mühsam abgeschraubte Ding auch drei Treppen heruntertragen, wenn es einfacher geht.

11 Antworten to “Rums!”

  1. Anonymous Says:
  2. jean luc Says:

    Bestreitet der denn, das Eisen auf die Straße gedengelt zu haben?
    Naja, da rennt man ewig seinem Geld hinterher. Aber wenn der sich weigert, für seine Fehler einzustehen – soll man so Menschen schonen.

    Ich habe mal meine Vermietrin beim Finanzamt angezeigt, weil die schwarz untervermietete. Aber weil die mich ganz schlecht behandelt hat. Sehr schlimm. Aber war Frankfurt. Da wohnen eh andere Menschen.

  3. syberia Says:

    Nö, er hat den Hergang freimütig geschildert und zugegeben. Hatte auch einen Zettel unter unsere Scheibenwischer geklemmt. Zahlungspflichtig sei allerdings aus seiner Sicht sein Vermieter, denn die Befestigungen für die Blumenkästen, zu denen jenes Kanteisen gehört, gehörten dem und nicht ihm (die Dinger sind wohl mit vermietet). Der Hauseigentümer entgegnet natürlich, die Halterungen seien ordnungsgemäß befestigt und die Schuld liege beim Mieter, der ja schließlich daran herumgefummelt und sie absichtlich gelöst habe. (Justitia weist auf jeden Fall mit anklagend ausgestrecktem Zeigefinger auf den Fummler.)

    Ja nee, ich weiss nicht. Ich habe sofort das Wort “Denunziantentum” im Kopf. Und das ist kein Schönes.

    Oh-oh, das mit Frankfurt lassen Sie besser nicht Herrn A. sehen… :p

  4. fraggle Says:

    Kann man den nicht einfach verklagen? Er wars, er gibt es zu, also muss er zahlen. Wird vor Gericht geklärt, ob er Kohle hat oder nicht? Das dürfte ihm doch nicht gefallen. Oder noch weniger dem Nachbarn, der den Schwarzarbeiter beschäftigt hat (jaja, nur kein Ärger mit dem Nachbarn)…

  5. fraggle Says:

    Edit: OK, richtig lesen hilft manchmal. Es war des Polen eigene Wohnung; Schwarzarbeit findet aushäusig statt. Trotzdem…

  6. kelef Says:

    einfach behaupten, beweise zu haben, mit freundlichem lächeln. angst erzeugt oft ungeahnte reaktionen. und wenn er sowieso schwarz arbeitet, kann er doch seine schulden auch abstottern, bei einer entsprechenden anzahlung. letztlich gibt es gesetze, damit man sich daran hält. das hat nix mit denunziantentum zu tun. wieviele arbeitslose hat deutschland derzeit?

  7. semmel Says:

    Bei uns in so nem Dorf gibt es einen Motorradclub, den kann man in solchen Fällen anheuern. Die sagen, je nach Streitwert, gibst du uns 20 oder 25 oder 30 Prozent und dann besuchen die den Schuldner. Beim 1. Besuch noch ganz friedlich und cool. Die meisten zahlen wohl schon nach dem 1. Besuch.
    Letzten Herbst haben wir mal zu dritt nen Kunden besucht, der noch ‘ne satte Rechnung bei uns offen hatte. Paar Tage später war die Kohle aufm Giro. Muss man nur die richtigen Leute schicken. Wenn dein Herr A. aus Frankfurt kommt, muss er doch solche Leute kennen. Das ist dort Pflicht. Schon um zu überleben.

  8. schmerles Says:

    Sehr schlechte Situation, Frau Syberia. Wenn Sie vor Gericht Recht erhalten, haben Sie immer noch kein Geld. Fast bin ich geneigt, Herrn Semmel zuzustimmen.

    PS. Der Spamtest ist schwer, weil ich ihn immer vergesse.

  9. semmel Says:

    Dann solltest du das in Zukunft ein bissle dramatischer darstellen.
    Was das miteinander reden angeht: So weit ich weiß, hat oben genannter Motorrad-Club noch nie nich jemandem ein Haar gekrümmt. Die reden auch nur. Wahrscheinlich ist ihre Wortwahl ein wenig rustikaler als die unsrige. Aber sie reden. Ich frage mich, was ist daran verwerflich. Vor allen Dingen hat das ja auch einen pädagogisch-therapeutischen Aspekt: Es hebt die Zahlungsmoral. Und das ohne juristischen und bürokratischen Aufwand.

  10. syberia Says:

    Ich bin Pazifistin. Wir machen so etwas nicht. Wir REDEN. Und zwar MITEINANDER. Ich meine… wenn ich nicht einmal mit meinem Nachbarn friedlich und konstruktiv einen Konflikt lösen kann, ist es doch kein Wunder, dass die Amis demnächst im Iran einmarschieren, nicht wahr.

    *Ähem*. Befremdet muss ich feststellen, dass hier keinerlei Kommentare über die Sache mit der Dachantenne abgegeben werden. Hallo?! Um ein Haar gäbe es mich nicht mehr! Das war dramatisch! Kriminell war das! Die haben einfach eine massive Dachantenne vom Dach geschmissen! Tot hätte ich sein können! Viel hat da nicht gefehlt!

  11. jean luc Says:

    Gericht bringt gar nix außer Kosten und Rennerei. Dann wird der verurteilt, kann aber nix zahlen. Da wird der Ärger auch nicht weneiger von. Einzige Chance ist, das Mittel zu finden, daß der von seinem Roß runterkommt. D.h. man müßte den wo kriegen, wo ers nicht vermutet udn wo er angreifbar ist.

    Aber mal umgedreht. Warum sollen Sie den ganzen Mumpitz mit Ihrer Gutmütigkeit bezahlen. Der schmeißtn Eisen runner und sie zahlen ma ebent – dat kannja au nich richtich sein. Können Sie den Fall nicht Ihrer Haftpflicht melden und die kümmern sich, wo das Geld herkommt?