Weisskittel!
Montag, 28. Februar 2005 geschrieben von Syberia
Am Mittwoch griff mein Liebster im Supermarkt ins unterste Fach nach einem Beutel Hartweizennudeln, da schoss er ihm ins Kreuz. Glühend. Messerscharf. Der SCHMERZ. Den Weg nach Hause schaffte er gerade noch, doch den Weg vom Sofa zum Bett nicht mehr. Also den hausärztlichen Notdienst angerufen.
Bandansage. Eine Frau hauchte erotisch: “Unsere Leitungen sind zur Zeit alle belegt. Ihr Anruf ist uns wichtig, bitte bleiben Sie in der Leitung. Wir verbinden Sie mit dem nächsten freien Mitarbeiter.” Es folgte das Besetztzeichen. Später erfuhr ich, es gibt Mittwoch keinen Notdienst. Auch nicht Donnerstag oder Freitag. Montag und Dienstag schon mal gar nicht.
Das erzählte mir der liebenswürdige Herr bei der Feuerwehr, der dann auch gleich einen Arzt (Nummer 1) vorbeischickte. Dieser pumpte meinen Süssen mit irgendeiner Hardcore-Anti-Schmerz-Droge voll. “Mehr kann ich nicht geben, sonst hört er auf zu atmen.” Der SCHMERZ war allerdings immer noch da. Nun hatte er allerdings auch seine Kumpel ÜBELKEIT und SCHWINDEL eingeladen.
Der Notarzt bestand darauf, dass man mit einer solchen Menge Schmerzmittel unbedingt zur Überwachung in ein Krankenhaus gehöre (“Sonst hört er vielleicht auf zu atmen.”). Die Jungs (es waren gleich ein Dutzend Feuerwehrmänner mit gekommen, passiert ja sonst nix mittwochs) betteten den Gebeutelten (haha) in ein Tragetuch und manövrierten ihn unser Treppenhaus hinunter.
Das Haus ist 102 Jahre alt. Damals hatte man ja nichts. Da dachte man nicht daran, dass Menschen durch dieses Treppenhaus Möbel, Kinderwagen oder gar Tragen transportieren würden wollen. So etwas war ja noch gar nicht erfunden. Dafür kannte man schon Winkel und Nischen und Simse. Also schrappte mein Liebster mit seinen Füssen bei jeder Kurve an der Wand entlang. Und es gibt einige Kurven auf dem Weg nach unten.
Im Krankenhaus war dann der versprochene Orthopäde nicht anwesend. Ein Neurologe (Arzt Nummer 2), der sich seine Nase bei Michael Jackson und seine Brille bei Elton John abgeguckt hatte, meinte mit vorgetäuschtem Bedauern, auf Grund der Grippewelle sei kein Bett mehr frei, in der ganzen Stadt nicht. Der Notarzt sei ein Depp gewesen, dass er ihn überhaupt habe einliefern lassen. Man setzte meinen Süssen daher in einen Rollstuhl und schob ihn in nach draussen in die Eiseskälte (in T-Shirt und Socken), wo ich ihn dann abholte und ins Auto bugsierte.
Irgendwie kam er dann die Treppen hoch in unsere Wohnung und ins Bett. Die Nacht verbrachte ich damit, auf seinen Atem zu lauschen. Am nächsten Tag erschien dann der Hausarzt (Arzt Nummer 3). Der kam immerhin tatsächlich zu uns nach Hause (gibt es ja nicht mehr oft heutzutage) und verschrieb dreierlei Medikamente (“Neurologen haben ja keine Ahnung von sowas. Ein Hexenschuss ist das.”).
Besserte sich leider nix, trotz 4 Tagen strenger Bettruhe und damit einhergehendem Lagerkoller. Heute deshalb beim Chiropraktiker (Arzt Nummer 4) gewesen. Dort erfahren, dass die Medikamente sich a) in ihrer Wirkung gegenseitig beeinträchtigen und b) die angeordnete Dosierung homoöpathischer Natur war. “Eine?! Davon müssten Sie 12 bis 13 Stück nehmen, damit die helfen. Morgens und abends! Naja, Hausärzte.”
Nun denn. Ich hoffe, es bessert sich. Denn Lesen mag er nicht mehr, DVD’s schauen auch nicht, im Fernsehen kommt nichts gescheites, der Gameboy ist doof, die Spiele auf dem Gamecube hat er schon durch, Scrabble ist öde und nur selten fliegt am Fenster mal ein Vogel vorbei. Wer eine Idee hat, wie man einen gelangweilten Mann im Bett beschäftigen kann: her damit. Ich gehe jetzt einkaufen, es sind keine Nudeln mehr im Haus.

März 8th, 2005 at 16:16
Wer eine Idee hat, wie man einen gelangweilten Mann im Bett beschäftigen kann: her damit.
Ich hätte da einen Vorschlag, aber wenn er darauf anspricht, ist er nicht mehr krank.
März 8th, 2005 at 18:46
Das, woran Sie Ferkel denken, ist nicht ratsam zu tun, wenn man Antibiotika einzunehmen gezwungen ist.
März 9th, 2005 at 12:58
Er sollte ja drin bleiben, in den Federn. Eh zu spät jetzt, er hat es nicht mehr ausgehalten. Männer sind schwierige Patienten.
März 9th, 2005 at 08:58
Alkohol trinken ist eine Ferkelei? Ein schönes Weizenbier hat schon öfter einen Sterbenskranken aus den Federn gelockt!
Ich weiß ja nicht, was Sie denken, was ich gedacht haben mochte…